|
Liebe
Leserinnen und Leser,
dieses
FÖS-Spezial soll Ihnen einen fokussierten Überblick über
die vorgesehenen ökofiskalischen Maßnahmen aus dem
Sparpaket der Bundesregierung liefern. Wir haben in den
vergangenen Monaten auf verschiedensten Wegen versucht,
ökologische Instrumente in die Debatte zur
Haushaltskonsolidierung einzubringen – nun sehen wir erstmals
Erfolge. Man kann einiges gegen das Sparpaket vorbringen
– insbesondere seine extreme soziale Schieflage
– doch die Maßnahmen zur „Ökologisierung der Sozialen
Marktwirtschaft“ sind – mit einem Gesamtvolumen von knapp 20
Mrd. € – wahrscheinlich das größte und wichtigste
ökofiskalische Maßnahmenbündel seit der rot-grünen
Ökosteuer-Reform von 1999. Immerhin hat die Bundesregierung
fünf von sechs Maßnahmen vorgeschlagen, die das FÖS in einem
Kurzkonzept gefordert hat. Angesichts der hoffnungsvollen
Ansätze gilt es nun weiter am Ball zu bleiben und sich
für eine ambitionierte Umsetzung stark zu machen. Um unsere
Arbeit fortzusetzen, sind wir dringend auf Ihre Spenden und Mitgliedschaften
angewiesen. Dass sich diese lohnen, können Sie auch
unserer sehr erfreulichen Presseresonanz entnehmen. Unter
„FÖS in den Medien“ finden Sie eine kleine Presseschau mit
Beiträgen der letzten Wochen, in denen das FÖS erwähnt wurde,
so zum Beispiel ein aktueller Gastbeitrag des FÖS in der
SZ zum 220. Todestag von Adam Smith. Zum Abschluss des
Newsletters finden Sie wie gewohnt weitere Beiträge zu
umweltpolitischen Entwicklungen der letzten Wochen.
Nun viel
Spaß beim Lesen!
Mit
freundlichen Grüßen
Damian
Ludewig Geschäftsführer
|
| |
Ringen um anspruchsvolle Ausgestaltung der
beschlossenen Elemente beginnt
Anfang
Juni beschloss das Bundeskabinett ein Sparpaket mit einem
Volumen von insgesamt 80 Mrd. €, verteilt auf vier Jahre.
Inhalt dieses Pakets sind auch einige von
uns geforderte Elemente einer modernen Umweltpolitik. So
plant die Regierung eine Atomsteuer, eine Flugticketabgabe und
den Abbau von Ausnahmen bei der Ökosteuer. Darüber hinaus
plant das Bundeswirtschaftsministerium einen schnelleren Abbau
der Kohlesubventionen und Verkehrsminister Ramsauer
beabsichtigt die LKW-Maut auszuweiten. Außerdem bleibt die
Finanztransaktionsteuer weiterhin Ziel der Merkel-Regierung.
Auch wenn die Maßnahmen in der bisher geplanten Ausgestaltung
noch zahlreiche Mängel aufweisen, begrüßen wir diese Vorhaben
grundsätzlich und werten sie auch als einen großen Erfolg
unserer Arbeit. Von unserem aktuellen Kurzkonzept hat die Regierung damit
fünf von sechs prioritär vorgeschlagenen Maßnahmen
aufgegriffen. Mehr... |
| |
| |
|
Die Maßnahmen des Sparpakets
Atomsteuer
Die
Einführung einer Atomsteuer stellt ein wichtiges Element
unseres aktuellen Konzeptes zur ökologischen
Haushaltskonsolidierung dar. Wir freuen uns sehr, dass die
Bundesregierung diesen Vorschlag aufgegriffen hat. Wichtig ist
hierbei vor allem, dass sich Bundeskanzlerin Merkel mit ihrer
Ankündigung durchsetzt, die Abgabe sei unabhängig von etwaigen
Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke. Unser Vorschlag
(Konzept im Auftrag von
Greenpeace) sieht für den kurzfristigen
Ausgleich der bisherigen finanziellen Vorteile der Atomenergie
eine Kernbrennstoffsteuer von 2,5 ct/kWh vor. Dieser Satz
orientiert sich an dem Vorteil, der für die Atomstromerzeugung
durch die Einführung des Emissionshandels für fossile
Brennstoffe entsteht, sowie den heute schon bekannten Kosten
für Altlasten. Diese Kernbrennstoffsteuer würde derzeit zu
einem jährlichen Aufkommen von etwa 4,0 Mrd. Euro führen. Die
Bundesregierung plant einen geringeren Satz der zu 2,3 Mrd.
Euro Einnahmen im Jahr führen soll, die konkrete Ausgestaltung
ist jedoch noch unbekannt.
Flugticket-Abgabe
Als
"nationale ökologische Luftverkehrsabgabe" ist unser Vorschlag
einer Ticket-Abgabe im Flugverkehr aufgegriffen worden.
Über die konkrete Ausgestaltung ist nun ein heftiger Streit
ausgebrochen. Nach einem ersten Referenten-Entwurf aus
dem Bundesfinanzministeriums sollten alle Flüge innerhalb von
2500 km mit einer Abgabe von 13 € pro Ticket belegt werden.
Für Flüge darüber hinaus hätte sich demnach die Abgabe auf 26
€ verdoppelt. In einer Pressemitteilung vom
16.07.2010 forderte das FÖS u. a. eine Stärkung der
ökologischen Lenkungswirkung. So wäre aus ökologischer Sicht
eine Steuer pro Flugzeug nach Größe und Emissionen deutlich
besser als eine Steuer auf Flugtickets selbst, weil damit
Anreize zur möglichst guten Auslastung und Emissionsvermeidung
gegeben werden. Auch die Forderungen der FDP, aufgrund des
größeren Platzbedarfs einen höheren Satz für Business- bzw.
First-Class-Reisende anzusetzen und den Frachtflugverkehr
einzubeziehen, begrüßt das FÖS ausdrücklich. Zudem schlägt das
FÖS höhere Sätze vor. Die Bundesregierung plant denn auch nur
Einnahmen von 1 Mrd. Euro, während das FÖS mit kurzfristig 2,3
Mrd. Euro kalkuliert. Die Regierung hat sich nun zumindest
darauf verständigt, die Sätze mit 9, 25 und 40 Euro stärker
nach Entfernung zu staffeln. Bisher ist der Flugverkehr von
der Energiesteuer und im internationalen Bereich von der
Mehrwertsteuer befreit und hat dadurch wesentliche Vorteile im
Wettbewerb gegenüber anderen Verkehrsträgern. Diese
Steuervorteile von 11,5 Mrd. Euro im Jahr kann eine
Ticket-Abgabe zumindest teilweise ausgleichen. Die geplanten
Einnahmen von 1 Mrd. Euro sind da aber nur ein Tropfen auf den
heißen Stein. Bisher erheben bereits Frankreich und
Großbritannien eine Ticket-Abgabe. Das FÖS setzt sich dafür
ein, dass wie in ande-ren Ländern auch die erzielten
Mehreinnahmen nicht ausschließlich der Haushaltskonsolidierung
dienen, sondern für die Klimaanpassungsfinanzierung und
Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern genutzt wer-den, um
dem Verursacherprinzip Rechnung zu tragen. Wesentliche Fakten
und Zahlen zur Ticket-Abgabe hat das FÖS in einem Argumentationspapier
zusammengestellt.
Abbau von Ausnahmen bei der
Ökosteuer
Der
beschlossene Abbau von Ausnahmen bei der Ökosteuer bleibt
im Volumen von kurzfristig jährlich 1 Mrd. € und später 1,5
Mrd. € um 0,5 bzw. später 0,8 Mrd. € pro Jahr unter
dem von uns berechneten Potential. Trotzdem sind die Pläne
sehr begrüßenswert. Während die Steuerbefreiung für bestimmte
Bereiche wie die Zement-, Glas-, oder Metall verarbeitende
Industrie voraussichtlich nicht angetastet wird, soll die
allgemeine Steuerbegünstigung des Produzierenden Gewerbes mit
einem ermäßigten Satz von 60 Prozent abgeschafft werden. Ein
erster Entwurf des Bundesfinanzministeriums sah darüber hinaus
eine Absenkung des Spitzenausgleichs von 95 auf etwa 80
Prozent und die Anhebung des Sockelbetrags von 512,50 auf
20.000 € vor. Nach neuen Angaben beabsichtigt das Ministerium
für das Jahr 2012 eine weitere Absenkung des Spitzenausgleichs
auf dann 60 Prozent. Jedoch soll der Sockelbetrag nun nur noch
auf 5.000 € erhöht werden. Als Reaktion auf den wachsenden
Widerstand seitens der Wirtschaft hat das FÖS am 21.07.2010
eine Pressemitteilung heraus
gegeben. Zudem gibt es ein FÖS-Fact-Sheet mit
einem Überblick über die bisherigen und die geplanten
Regelungen sowie einer Stellungnahme des FÖS dazu.
LKW-Maut und Abbau von
Kohlesubventionen
Auch
wenn sie in den Sparbeschlüssen der Bundesregierung nicht
unmittelbar zu finden sind, stehen zwei weitere
ökofiskalische Maßnahmen vor der Umsetzung durch
die zuständigen Ministerien. Zum einen beabsichtigt
Verkehrsminister Peter Ramsauer, die LKW-Maut auf vierspurige
Bundesstraßen auszuweiten. Wir begrüßen dieses Vorhaben
ausdrücklich. Jedoch sollte die LKW-Maut nicht nur auf einige
wenige zusätzliche Strecken, sondern auf alle Straßen und auch
auf leichtere LKW ausgeweitet werden. Die LKW-Maut wird bisher
nur für Fahrzeuge ab 12 Tonnen erhoben. Heute werden aber
schon 11,9-Tonner gebaut, um die Maut zu umgehen. Dem muss die
Bundesregierung dringend einen Riegel vorschieben, indem sie
bereits LKW ab 3,5 Tonnen einbezieht. Außerdem sollte der
durchschnittliche Mautsatz auf 17 ct/km angehoben werden, um
das Verursacherprinzip im LKW-Verkehr zu stärken. Dies wird
nach Veröffentlichung des aktualisierten Wegekostengutachtens
im Dezember 2007 als bisher rechtlich maximal mögliche Satz
angesehen. Eine entsprechende Pressemitteilung des FÖS kann
hier
nachgelesen werden. Des Weiteren plant Wirtschaftsminister
Rainer Brüderle im Rahmen seiner Etatkürzungen zumindest einen
geringfügigen zusätzlichen Abbau der Steinkohlesubventionen.
Die vorgesehene Kürzung um gut 10 Prozent ist ökologisch
dringend notwendig und gleichzeitig noch sozial verträglich.
Hier wären aber durchaus grö-ßere Einsparpotentiale vorhanden
gewesen. Unterstützung erhält Minister Brüderle derzeit von
der EU-Kommission (Pressemitteilung), die ein
Auslaufen der Kohlesubventionen bis zum Jahr 2014
verlangt. Damit wurde von unserem Kurzkonzept zur
Haushaltskonsolidierung lediglich die Reform der
Dienstwagen-Besteuerung noch nicht von der Regierung
aufgegriffen. Jedoch sprach der SPD-Vorsitzende Siegmar
Gab-riel von einer Ökologisierung der bestehenden
Dienstwagen-Regelungen als einer der zentralen
SPD-Forderungen, sollte sie im Rahmen eines "Paktes der
Vernunft" dem Sparpaket im Bundesrat zustimmen (die FÖS-PM
dazu finden Sie hier). |
| |
| |
Für Geld tun die Leute alles – manchmal sogar das
Vernünftige
Essay
von Dr. Anselm Görres zur aktuellen wirtschafts- und
umweltpolitischen Situation
Das
Sparprogramm der Bundesregierung ist aus sozialer Sicht extrem
unausgewogen. Einseitige Kürzungen im Sozialbereich bei
gleichzeitiger Schonung der Reichen: das kritisieren sogar
viele Wohlhabende. Doch mit dem Abbau von Ökosteuer-Ausnahmen
und Kohlesubventionen, mit neuen Instrumenten wie
Luftfahrtabgabe und Brennstäbesteuer, bis hin zum Ausbau der
Lkw-Maut zeigt die Bundesregierung aber den Mut, fiskalisches
Sparen mit ökologischem Handeln zu verbinden. Die Chancen
eines grünen Keynesianismus durch grünere Ausgabenprogramme
wurden 2009 weitgehend vertan. Vielleicht kommt es jetzt
wenigstens zu einer grüneren Gegenfinanzierung der
entstandenen Schuldenberge. Die könnte übrigens auch sozial
gerechter sein als konventionelle Politik. Mehr... |
| |
| |
FÖS in den Medien
In
den letzten Wochen tauchte das FÖS erneut vermehrt in den
Medien auf, was uns darin bestärkt, an der Intensivierung
unserer Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit festzuhalten. Hier
eine kleine Presseschau:
"Weniger
Rabatt für die Industrie - Schäuble entdeckt die
Ökosteuer",
Artikel mit Zitaten von Damian Ludewig, taz,
28.07.2010.
"Koalitionsstreit
um Ökosteuer", Artikel mit Berufung auf FÖS-Zahlen,
Südkurier, 21.07.2010.
"Ministerien
gehen auf Konfrontationskurs mit der Regierung", Artikel
mit Berufung auf FÖS-Zahlen, Trierischer Volksfreund,
20.07.2010.
"Für
Geld tun die Leute alles - auch das Gute“, Gastbeitrag von
Dr. Anselm Görres/Damian Ludewig, SZ,
19.07.2010.
"Airlines
erwarten starke Umsatzrückgänge durch Flugabgabe", Artikel
mit Berufung auf FÖS-Zahlen, Märkische Zeitung,
17.07.2010.
"Brosamen
für Atomriesen", Artikel mit Berufung auf FÖS-Zahlen,
Neues Deutschland, 09.07.2010.
"Ökologisch und unsozial", Artikel mit
Zitaten von Damian Ludewig, taz, 09.06.2010.
"Hohe
Beträge, wenig Sparpotential", Artikel mit Berufung auf
FÖS-Zahlen, Neues Deutschland, 07.06.2010.
"Wo die Koalition neue Einnahmen sucht",
Artikel mit Berufung auf FÖS-Zahlen, Financial Times
Deutschland, 04.06.2010.
"Zwei
Fliegen mit einer Klappe", Artikel mit Zitaten von Damian
Ludewig und mit Berufung auf FÖS-Zahlen, taz,
02.06.2010.
"Sparen
bis es quietscht", Artikel mit Berufung auf FÖS-Zahlen,
taz, 02.06.2010.
"Regierung klaut rot-grüne Atomstromsteuer",
Artikel mit Berufung auf FÖS-Zahlen, Financial Times
Deutschland, 02.06.2010. |
| |
| |
Presseschau
Zum
Abschluss finden Sie wie gewohnt noch eine kleine
Zusammenstellung weiterer interessanter Beiträge zu
umweltpolitischen Entwicklungen der letzten Wochen:
"Die
Reflexe der Lobby", Kommentar von Fritz Vorholz, ZEIT,
29.07.2010: Die Regierung will Privilegien von Firmen bei
der Ökosteuer streichen, die Verbände reagieren entsetzt. Das
ist weder überraschend noch begründet.
"Bund
essen Fläche auf", Artikel von Steven Geyer, Frankfurter
Rundschau, 28.07.2010: Noch immer geht Deutschland
verschwenderisch mit Umwelt, Ressourcen und Finanzen um - kann
es sich das weiter leisten?
"Mit
den Waffen von Westerwelle", Gastbeitrag von Friedhelm
Hengsbach, Süddeutsche Zeitung, 06.07.2010: Die
gelb-schwarze Koalition spart nicht, um den Etat zu retten
- sondern um Umverteilung geht es ihr dabei. Der
73-jährige Jesuitenprofessor und leidenschaftliche Anhänger
einer sozialen Marktwirtschaft spricht Klartext gegen die
Neoliberalen.
"Der
Klima-Killer", Artikel von Cathrin Kahlweit, Süddeutsche
Zeitung, 26.06.2010: Beispiel Australien - Warum zu
viel Ehrgeiz im Umweltschutz ins politische Aus führen
kann.
"Unkontrolliert
in den Abgrund", Artikel von Moritz Koch, Süddeutsche
Zeitung, 14.06.2010: Was Finanzkrise und Ölkatastrophe
miteinander verbindet. | |
INHALTSVERZEICHNIS Editorial Ringen um anspruchsvolle
Ausgestaltung Maßnahmen
des Sparpakets Für Geld tun
die Leute alles - manchmal sogar das Vernünftige (Essay) FÖS in den Medien Presseschau
Vorstand Dr. Anselm
Görres (Vorsitz) Dipl.-Vw. Kai
Schlegelmilch (Stellvertretender Vorsitz) Florian Prange M.Sc
(Schatzmeister) Dr. Dörte Fouquet Dipl.-Vw. Helen
Lückge Dipl.-Vw. Bettina Meyer
Geschäftsführung Damian
Ludewig Andrea Sauer (in Elternzeit)
Beirat des FÖS Dr. Gerhard
Berz Prof. Dr. H.-C. Binswanger, CH Dr. Martin
Bursík, CZ Prof. Dr. Frank Convery, IRE Dr. Henner
Ehringhaus, CH Dr. Franz Fischler, EU-Agrarkomm. a.D.,
AT Josef Göppel, MdB Prof. Dr. Hartmut Graßl Dr. Barbara
Hendricks Prof. Dr. Gebhard Kirchgässner, CH Dr. Paul E. Metz,
NL Prof. Janet E. Milne, USA Yannis D. Paleocrassas,
GR Prof. Dr. Albert J. Rädler Christine Scheel,
MdB Matthias Max Schön Prof. Dr. Norbert Walter Prof. Dr.
E. U. von Weizsäcker Prof. Dr. Wolfgang Wiegard Anders Wijkman
MdEP, S Dr. Angelika Zahrnt |