Ausgabe Nr. 52 · Mai 2012
 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die Energiewende hakt. Die zuständigen Minister Röttgen und Rösler beharken sich gegenseitig - wenn Sie überhaupt dafür Zeit finden. Der eine ist als Landesvorsitzender und Spitzenkandidat im wichtigsten Bundesland eingespannt, der andere als Bundesvorsitzender einer siechenden Partei abgelenkt. Die Forderung nach der Trennung von Amt und Mandat erhält so eine ganz andere Bedeutung. Es geht weniger um problematischen Einfluss von Regierungsmitgliedern auf die Parteipolitik. Die Trennung wäre wichtig, damit die Minister ihre Hausaufgaben machen. Nach dem verhältnismäßig einfachen Beschluss, aus der Atomenergie doch weitgehend wie geplant auszusteigen, steht nun das anstrengende Klein-Klein an. Die Befürchtungen steigender Energiepreise durch den Atomausstieg haben sich nicht bewahrheitet (siehe Atomwende hat keinen nennenswerten Effekt auf Strompreis). Wenn trotzdem permanent vor dem Scheitern der Energiewende gewarnt wird, liegt das nicht an technischer Unmöglichkeit, sondern an politischem Unvermögen. Am größten sind die Defizite bei der Energie-Effizienz. Auch wenn alle darüber reden, dass die beste Kilowattstunde eine eingesparte ist, fehlt es an den konkreten politischen Rahmenbedingungen. Das Dienstwagenprivileg hemmt die Energieeffizienz im Automobilbereich (siehe Fernsehbeitrag vom ARD-Magazin Ratgeber Auto + Verkehr), denn 60 Prozent aller Neuzulassungen sind gewerblicher Art. Die Luftverkehrsteuer gibt nur unzureichende Effizienzanreize für die Luftfahrtindustrie, doch in der Regierung droht eher eine Abschaffung als eine Verbesserung (siehe Fortdauernde Diskussion über die Luftverkehrsteuer). Im Wärmesektor leistet sich Deutschland eine Besteuerung von Heizstoffen auf einem Niveau, das an Steueroasen denken lässt: 6 Cent pro Liter bei einem EU-Durchschnitt von 14 Cent und einzelnen Ländern mit über 40 Cent. Dabei würde schon eine Anhebung um 4 Cent die dringend notwendigen Mittel zur Förderung der Gebäudesanierung erbringen. Das offensive Einfordern von Effizienzfortschritten bei energieintensiven Unternehmen wird immer wieder vom BMWi ausgebremst. So konnte sich die Regierung bislang nicht auf verschärfte Bedingungen für die Industrie bei den Energiesteuerausnahmen verständigen. Auf weitere Ausnahmen für die großen Energieverbraucher bei EEG und Netzentgelten hat man sich allerdings einigen können und damit die Effizienzanreize genauso verschlechtert wie die Kostengerechtigkeit der Energiewende.

Immerhin, die Kritik an der mangelhaften Umsetzung der Energiewende kommt mittlerweile aus den verschiedensten Ecken - mal beklagen sich die Ost-Ministerpräsidenten über PV-Kürzung, mal die großen Energiekonzerne über zu langsamen Netzausbau, mal die NGOs über mangelnde Effizienzfortschritte. Man kann das wohlwollend als eine gesamtgesellschaftliche Unterstützung für eine ambitioniertere Energiewende interpretieren - denn als solches wird sie nicht mehr ernsthaft in Frage gestellt.

Die für uns schönste Nachricht ist aber, dass unsere eigenen Kapazitäten, die Energiewende kritisch und konstruktiv zu begleiten, nochmal deutlich gewachsen sind: Mit Dr. Constanze Adolf und Alexander Mahler haben wir zwei engagierte MitstreiterInnen für ökonomische Instrumente auf EU-Ebene und im Verkehrssektor gewinnen können.

Eine spannende Lektüre zu diesen und weiteren Themen wünscht Ihnen

Damian Ludewig
Geschäftsführer

Geschäftsstelle
Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS)
Green Budget Germany 

 
 

In eigener Sache

Neu in der FÖS-Geschäftsstelle: Dr. Constanze Adolf und Alexander Mahler

Zu Jahresbeginn konnten zwei neue Stellen in der FÖS-Geschäftsstelle geschaffen werden.

Dr. Constanze Adolf arbeitet als „European Policy Officer“ für die europäische Plattform „Green Budget Europe“. Seit 2008 arbeitet das FÖS mit diesem Projekt auf europäischer Ebene, um die Ökologische Finanzreform und den Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente in Europa und international voranzutreiben. Zuvor sammelte Frau Dr. Adolf Erfahrungen in unterschiedlichen Organisationen in Brüssel, zuletzt als Geschäftsführerin des Europäischen Jugendherbergsverbandes. Außerdem ist sie seit langem in unterschiedlichen Funktionen für Organisationen für nachhaltige Entwicklung tätig.

Alexander Mahler unterstützt das FÖS als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Verkehrspolitik und arbeitet zu Themen wie Dienstwagenbesteuerung, Luftverkehrsteuer, Kfz- und Mineralölsteuer, Pkw-Maut und Entfernungspauschale. Der studierte Diplomgeograph schrieb seine Abschlussarbeit zur Akzeptanz von Road-Pricing Systeme und arbeitete zuvor für das United Nations Environment Programme (UNEP) in Nairobi.

Sven Giegold, MdEP ist neues Beiratsmitglied

Der finanz- und wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz im Europäischen Parlament, Sven Giegold, ist seit November 2011 Mitglied des FÖS-Beirats. Giegold ist zudem Vorstandssprecher des Instituts Solidarische Moderne und engagiert sich mit dem von ihm initiierten Think-Tank „Finance Watch“ für die Regulierung von Banken und die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

 
 

Neues zur Ökologischen Finanzreform (ÖFR)

Energiewende: Vergünstigungen für die Industrie im Spannungsfeld zwischen Energieeffizienz und Wettbewerbsfähigkeit

Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu stärken, werden dieser zahlreiche Vergünstigungen und Ausnahmen bei den durch staatliche Regelungen induzierten Energie- und Strompreisaufschlägen gewährt - sei es bei der EEG- oder KWK-Umlage, bei den Netzentgelten, den direkten und indirekten Beiträgen der Emissionsminderungsverpflichtung (Emissionshandel) oder auch bei der Energie- und Stromsteuer sowie bei der anteiligen Übernahme der Infrastrukturkosten für Verteilnetze. Das Ausmaß und die Vielschichtigkeit der Vergünstigungen belegt auch die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen. Es ist anzunehmen, dass die aktuell geltenden Ausnahmereglungen in ihrer Breite auch Branchen, Anlagen und Prozessen zugute kommen, denen nicht der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit droht und bei denen es eigentlich noch großes wirtschaftlich sinnvoll umzusetzendes Effizienzpotential gibt. Durch die Preisnachlässe sinken die Anreize für die begünstigten Unternehmen, diese Potentiale auch zu erschließen. Dies gefährdet das Erreichen der energiepolitischen Ziele der Bundesregierung und steht der notwendigen Haushaltskonsolidierung entgegen. Zudem führen die Sonderregelungen zu einer massiven Umverteilung von Kosten innerhalb der deutschen Wirtschaft sowie zwischen Unternehmen und Verbrauchern.

Doch anstatt Privilegien abzubauen, wurden in den letzten Monaten einige Maßnahmen beschlossen, die zu noch umfangreicheren Vergünstigungen führen und die Industrie zunehmend von den Kosten der Energiewende ausnehmen. Im Rahmen der EEG Novelle wurde beispielsweise die Besondere Ausgleichsregelung massiv ausgeweitet, so dass Unternehmen bereits ab einem Verbrauch von 1 GWh pro Jahr eine reduzierte EEG-Umlage von nur noch 0,05 ct/kWh zahlen müssen. Dadurch erhöht sich die EEG-Umlage für die übrigen Verbraucher, da die Kosten auf weniger Schultern verteilt werden. Zusätzlich sollen Großverbraucher neuerdings vollständig von den Netzentgelten befreit werden können. Und wieder werden die entgangenen Einnahmen mit einer Sonderumlage bei den übrigen Verbrauchern abgerechnet. So titelte die WDR-Sendung Monitor in ihrem Beitrag zur Energiewende vom 02.02.2012 entsprechend: „Warum Strom wirklich teurer wird“.

In den kommenden Monaten stehen weitere politische Entscheidungen zum Themenkomplex „Vergünstigungen für die Industrie" an, die erneut im Spannungsfeld von Energieeffizienz und Wettbewerbsfähigkeit stehen: Zum Einen wird über die Fortführung des Spitzenausgleichs bei der Energie- und Stromsteuer entschieden (siehe Wochenbericht des DIW und Artikel in der taz), und zum Anderen werden die Details der „Strompreiskompensation" aus dem Energie- und Klimafonds auszuarbeiten sein. Die EU-Kommission hat zur konkreten Ausgestaltung gerade einen Entwurf für Leitlinien vorgelegt, zu dem auch das FÖS Stellung genommen hat. Das FÖS wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, solche Vergünstigungen und Ausnahmen möglichst restriktiv nur für solche Branchen und Unternehmen zu gewähren, die sie auch wirklich nötig haben. Dazu veranstaltete das FÖS einen parlamentarischen Abend mit Bundestagsabgeordneten und Experten der Energiebranche zum Thema „Der Standort Deutschland in Zeiten der Energiewende - Vergünstigungen für die Industrie im Spannungsfeld zwischen Energieeffizienz und Wettbewerbsfähigkeit" am 26.01.2012 in Berlin.

Atomwende hat keinen nennenswerten Effekt auf Strompreis

In Folge der Wende in der Atompolitik Mitte 2011 warnte vor allem die Industrie wiederholt vor steigenden Strompreisen. Die Industrie begründet auch ihre Forderungen nach weiteren Entlastungen bei Stromsteuern und Umlagebeiträgen mit dieser Befürchtung. Die Spitzen der Regierungskoalitionen schlossen sich an und forderten beispielsweise Anfang Dezember, die Ausnahmeregeln für die Industrie bei der EEG-Umlage erneut auszuweiten. Tatsächlich lag der Strompreis zu Beginn des Jahres 2012 aber unterhalb des Niveaus von vor Fukushima. Dazu schrieb Uwe Nestle, Vorstandsmitglied des FÖS, einen Artikel in der Fachzeitschrift „ew – Energiewirtschaft“. Einen englischsprachigen Artikel zum selben Thema, der im Journal Energy Policy veröffentlicht wurde, finden Sie hier.

EEG-Debatte verschleiert wahre Stromkosten

Nach längerem öffentlichkeitswirksamen Ringen zwischen Umweltminister Röttgen und Wirtschaftsminister Rösler und der Suche nach einem Kompromiss im Umweltausschuss hat der Bundestag am 29. März 2012 schließlich erneute Anpassungen an den Einspeisetarifen für Strom aus Photovoltaikanlagen beschlossen (den Text des Änderungsgesetzes finden Sie hier). Der Bundesrat muss der Gesetzesänderung noch zustimmen, damit sie in Kraft treten kann. In der vorangegangenen Debatte, die ein weiteres Mal vor allem von den Kosten des Ausbaus der Solarenergie in Deutschland dominiert wurde, hat sich das FÖS mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Bei den Warnungen vor steigenden Preisen werden in der Regel nicht die wahren Kosten des Stroms betrachtet. Dabei führen staatliche Förderung für konventionelle Energien und deren externe Kosten dazu, dass Strom aus erneuerbaren Energien heute schon billiger ist, wie aus der Studie „Was Strom wirklich kostet" hervorgeht.

Einstieg in die Atomkraft wird Polens Traum von billigem Strom nicht erfüllen

Zu den Plänen der polnischen Regierung in die Atomenergie einzusteigen hat das FÖS im Rahmen des offiziellen Beteiligungsverfahrens eine Stellungnahme an die polnische Regierung eingereicht. Zudem weist das FÖS in einer Pressemitteilung darauf hin, dass ein Einstieg in die Atomenergie nicht nur ökologisch fahrlässig wäre, sondern darüber hinaus auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten unvernünftig.

Bundestagsdebatte um das Dienstwagenprivileg

Seit Beginn dieses Jahres haben gleich zwei Fraktionen Anträge zur steuerlichen Behandlung von Dienstwagen in den Bundestag eingebracht. Am 27. Januar wurde ein Antrag von Bündnis90/ Die Grünen und am 27. März ein Antrag der Fraktion Die Linke im Parlament diskutiert. Die Anträge wurden an die zuständigen Ausschüsse verwiesen.
Der Kauf von Dienstwagen wird jährlich mit fast fünf Milliarden Euro staatlich subventioniert. Am stärksten profitieren davon Manager mit den höchsten Einkommen, die das Fahrzeug am meisten für private und besonders weite Fahrten nutzen. Das FÖS begrüßt daher, dass das Thema im Bundestag diskutiert wird und erläutert in einer Pressemitteilung Eckpunkte für die Reform der Dienstwagenbesteuerung. Das Ziel sind Kaufanreize für besonders effiziente Fahrzeuge – und damit ein Innovationsimpuls für die Automobilindustrie.

Fortdauernde Diskussion über die Luftverkehrsteuer

Jedes Jahr subventionieren die deutschen Steuerzahler den Luftverkehr mit mehr als 11 Milliarden Euro. Trotzdem wird die Anfang 2011 eingeführte Luftverkehrsteuer von der deutschen Luftverkehrswirtschaft immer wieder kritisiert. Dabei entspricht deren Gesamtvolumen nicht einmal zehn Prozent der gewährten Subventionen. Das FÖS sieht die Luftverkehrsteuer als erfolgreichen ersten Schritt für Klimaschutz und Subventionsabbau und schlägt zugleich ein Konzept vor, mit dem sie ökologisch und sozial sinnvoll weiter entwickelt werden kann. Dazu haben wir uns am 01.03.2012 mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet.

Stellungnahme zur Luftverkehrsteuer: Beibehalten und Weiterentwickeln!

Im Rahmen des Evaluatationsprozesses der Luftverkehrsteuer spricht sich das FÖS in einer Stellungnahme zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, dem Evangelischen Entwicklungsdienst, Germanwatch und Greenpeace für die Beibehaltung der Luftverkehrsteuer als unbedingt notwendigen und richtigen ersten Schritt aus, fordert aber zugleich dringend Verbesserungen hinsichtlich der sozialen und klimapolitischen Wirkungen der Steuer.

Debatte zur Förderabgabe im Bundestag

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert, dass die Förderabgabe, die nach Bundesberggesetz bei der Entnahme von Bodenschätzen zu zahlen ist, konsequenter erhoben wird. Der im Gesetz vorgesehene Regelsatz von 10 Prozent soll grundsätzlich für alle Bodenschätze erhoben werden. Die zahlreichen Befreiungen, z.B. der Förderung von Braunkohle, sollen gestrichen werden. Dies sieht der von der Fraktion in den Bundestag eingebrachte Gesetzentwurf zur Vereinheitlichung der Förderabgabe vor. Dadurch sei mit Mehreinnahmen von mehreren 100 Millionen Euro zu rechnen. Der Strompreis werde sich nicht erhöhen. Vielmehr reduziere die Förderabgabe nur die hohen Margen bei der Gewinnung und Verstromung von Braunkohle. Auch die Linksfraktion verlangt in einem Antrag eine Reform des Bergrechts. Demnach müsse das neue Recht vor allem auf Konfliktvermeidung setzen und sich bei der Genehmigung von Bergbauvorhaben an den Planfeststellungsverfahren orientieren. Einerseits solle den Erfordernissen der Rohstoffversorgung Rechnung getragen werden. Andererseits seien aber auch die Interessen der Umwelt und der vom Abbau betroffenen Menschen angemessen zu berücksichtigen.

Bundesregierung verabschiedet deutsches Ressourceneffizienzprogramm

Am 29.02.2012 hat das Bundeskabinett das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) verabschiedet. Das FÖS begrüßt das Programm als wichtigen ersten Schritt in Richtung einer umfassenden Ressourcenschonungsstrategie. Ressourcenschonung wird damit zu einem zentralen Anliegen deutscher Politik. Die beschlossenen Ziele und Maßnahmen bleiben allerdings deutlich hinter dem Notwendigen zurück. In einer zu diesem Anlass veröffentlichten Pressemitteilung fordert das FÖS die Bundesregierung unter anderem auf, auch ökonomische Instrumente zur Steigerung der Ressourceneffizienz ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Im November 2011 hatte sich in ähnlicher Weise auch die NABU-Bundesdelegiertenversammlung in einer Resolution bereits dafür ausgesprochen, die fiskalischen Anreize für Ressourceneffizienz zu verbessern. Konkret fordert sie den Abbau umweltschädlicher Subventionen und die weitere Umverteilung der Steuerlast vom Faktor Arbeit auf den Ressourcenverbrauch. Eine ausführliche Stellungnahme des NABU-Bundesverbandes können Sie hier herunterladen. 

Berater des Bundeswirtschaftsministeriums für globale CO2-Steuer

Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums spricht sich in einem neuen Gutachten für die Einführung einer internationalen Mindeststeuer auf CO2-Emissionen aus. So sollen die Chancen für eine Nachfolge zum auslaufenden Kyoto-Klimaschutzabkommen erhöht werden. Dass dies bisher nicht zustande gekommen ist, liege mit daran, dass sich die Staaten nicht einigen konnten, wer wie viel CO2 ausstoßen darf. Eine Steuer würde diesen „verteilungspolitischen Aspekt aus den Verhandlungen eliminieren", heißt es in dem Gutachten. Mehr...

EU-Kommission will Mehrwertsteuer reformieren

Die Europäische Kommission legte am 6. Dezember 2011 ein Strategiepapier zur Reform der Mehrwertsteuern vor. Nach dem Willen der Kommission sollen grenzüberschreitende Transaktionen innerhalb der EU durch ein europaweites Mehrwertsteuersystem vereinfacht werden, mit dem Ziel das Mehrwertsteuersystem unternehmens- und wachstumsfreundlich zu gestalten. Das Papier enthält jedoch auch umweltpolitisch relevante Vorschläge. Mehrwertsteuerermäßigungen für besonders umweltfreundliche Erzeugnisse strebt die Kommission zwar nicht an, obwohl sich das Europäische Parlament im Oktober in einer Resolution dafür einsetzte. Allerdings sollen die ermäßigten Mehrwertsteuersätze und Befreiungen überprüft werden und insbesondere nicht mehr für Produkte und Leistungen mit umweltschädlichen Auswirkungen gewährt werden.

 
 

Veröffentlichungen

FÖS Studie „Rückstellungen für Rückbau und Entsorgung im Atombereich“ von Bettina Meyer (April 2012)

In der Studie, die das FÖS im Auftrag von Greenpeace erstellt hat, werden die geltenden Regelungen zur Kostenübernahme der AKW-Betreiber untersucht und Reformen empfohlen. Die Analyse zeigt, dass für den Rückbau der AKW und die Entsorgung des Atommülls mindestens 34 Milliarden Euro benötigt werden. Die vier deutschen Atomkonzerne haben dafür zwar Rückstellungen gebildet, doch aufgrund großer Kostenrisiken sowohl in der Phase von Rückbau und Entsorgung als auch nach Verschluss der Endlager empfiehlt die Autorin Bettina Meyer, FÖS-Vorstand, eine finanzielle Vorsorge von mindestens 44 Mrd. Euro. Genauere Abschätzungen seien erst dann möglich, wenn die Konzerne die Transparenz über ihre Atomrückstellungen deutlich verbesserten. Damit die Kosten für Rückbau und Entsorgung auch langfristig von den Verursachern und nicht von den Steuerzahlern getragen werden, sollten die geltenden Regelungen reformiert werden. Das in der Studie vorgeschlagene Reformkonzept sieht unter anderem die Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds für die langfristigen nuklearen Verpflichtungen vor. Für die kurz- und mittelfristigen Verpflichtungen werden eine Verbesserung des Insolvenzschutzes und eine regelmäßige Überprüfung der angemessenen Höhe der Rückstellungen gefordert.
Die Studie vom FÖS (Zusammenfassung der Ergebnisse) und Greenpeace (Forderungen) stehen zum Download bereit. Zur Presseerklärung von Greenpeace und FÖS gelangen Sie hier.

FÖS-Diskussionspapier „Ressourcenschonung durch die Besteuerung von Primärbaustoffen" (März 2012)

Zwei Drittel der in Deutschland abgebauten mineralischen Rohstoffe sind Baumineralien. Ihr Abbau ist mit gravierenden Eingriffen in die Landschaft und Schäden für die Umwelt verbunden. Gleichzeitig bestehen im Bausektor große Effizienzpotentiale, u.a. durch die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen und Recyclingbaustoffen. Eine Steuer auf die Entnahme von Primäbaustoffen, wie sie in diesem Diskussionspapier vorgeschlagen wird, könnte gezielte Anreize dafür schaffen, diese Effizienzpotentiale besser auszuschöpfen und so zur Ressourcenschonung in Deutschland beitragen.

GIZ-Publikation zu Ressourceneffizienz in der Entwicklungszusammenarbeit (Februar 2012)

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Studie „Resource Efficiency in Development Cooperation" veröffentlicht. Die Studie gibt einen Überblick über bestehende Ansätze und Instrumente zur Förderung der Ressourceneffizienz in der Entwicklungszusammenarbeit und macht Vorschläge, wie Ressourceneffizienz in der Zukunft bei der Gestaltung von Vorhaben und Projekten noch besser berücksichtigt werden kann. FÖS-Mitarbeiter Eike Meyer ist einer der Ko-Autoren dieser Studie und steuerte das Kapitel 2.1. „Politische Instrumente zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Ressourceneffizienz" bei.

FÖS-Stellungnahme: „Beihilfen im Rahmen des Europäischen Emissionshandels" (Januar 2012)

In dieser Stellungnahme zum Entwurf der Europäischen Kommission bezweifelt das FÖS die Angemessenheit von staatlichen Beihilfen im Rahmen des Emissionshandels und legt Änderungsvorschläge vor. In den Leitlinien sind u.a. Strompreiskompensationen für die Industrie sowie Investitionszuschüsse für neue Kraftwerke vorgesehen.

Studie der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) „Richtung Nachhaltigkeit – Indikatoren, Ziele und Empfehlungen für Deutschland“ (2011)

Im Rahmen der Bildungsinitiative „Mut zur Nachhaltigkeit” hat die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg unter der Leitung von Prof. Hans Diefenbacher Indikatoren für Handlungsfelder für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland auf der Basis aktueller Daten analysiert. Auf dieser Grundlage wird ein Gesamtentwurf für eine nachhaltige und zukunftsverträgliche Ökonomie vorgelegt, die eine ökologisch-soziale Transformation einleiten soll. Dazu gehören u.a. ein konsistentes Ressourcenmanagement, die Regulierung der Finanzmärkte und eine ökologisch-soziale Steuerreform. Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.

 
 

Veranstaltungshinweise

Hochschultage Tübingen, 10.-12. Mai 2012, Universität Tübingen

Vom 10. bis zum 12. Mai 2012 finden an der Universität Tübingen bereits die zweiten Ökosozialen Studientage statt - diesmal mit dem Schwerpunkt „Klimawandel". Auch dieses Jahr haben sich wieder gleichgesinnte Gruppen vor Ort zusammengeschlossen um ein spannendes Programm auf die Beine zu stellen. Neben der „Global Marshall Plan Lokalgruppe Tübingen", sind die „oikos Hochschulgruppe Tübingen" und die Studierendeninitiative „The Greening University" dabei. Außerdem gehört diesmal auch der „Arbeitskreis Klima am Forum Scientiarium" mit zum Organisatoren-Team. Weitere Informationen finden Sie hier.

Hochschultage Heidelberg-Mannheim, 11.-12. Mai 2012, Universität Heidelberg und Mannheim

Der Arbeitskreis Postautistische Ökonomie an der Uni Heidelberg, die Gruppe „POLImotion", die Studenteninitiative des Club of Rome sowie sneep Mannheim richten gemeinsam am 11. und 12. Mai 2012 die Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit in Heidelberg und Mannheim aus. Auf der Tagung soll über die unterschiedlichen Möglichkeiten des nachhaltigen Wirtschaftens und den dafür notwendigen gesellschaftlichen Umgestaltungsprozessen informiert werden. Es werden im Rahmen der Tagung u.a. philosophische und technische Grundlagen der Nachhaltigkeit dargestellt und analysiert. Weitere Informationen finden Sie hier.

B.A.U.M.-Jahrestagung und Preisverleihung 2012, 4.-5. Juni 2012, Berlin

Bedarf es eines Kulturwandels, damit die dringend notwendigen Veränderungen für eine nachhaltige Entwicklung gelingen? Zu dieser Frage möchte die B.A.U.M.-Jahrestagung am 4. und 5. Juni 2012 Denkanstöße geben. Die B.A.U.M.-Jahrestagung unter der Überschrift „Nachhaltigkeit nur durch Kulturwandel?“ beginnt am „Tag der Nachhaltigkeit", mit einem Fachkongress. Am zweiten Veranstaltungstag wird der B.A.U.M.-Umweltpreis verliehen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 
 

Veranstaltungsnachlese

FÖS-Konferenz: „Ökologische Industriepolitik - Thüringer Branchen im Blickpunkt einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik", 27. März 2012, Kaisersaal Erfurt

Am 27. März 2012 organisierte das FÖS in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Thüringen diese Konferenz im Kaisersaal in Erfurt, um die ökologische Industriepolitik für unterschiedliche Branchen zu diskutieren. Im Zentrum standen die Entwicklungsperspektiven vier konkreter Branchen – Automobilindustrie inkl. Zulieferer, Biotechnologie und Medizintechnik, Erneuerbare Energien sowie Optik und Photonik – im Rahmen einer ökologischen Industriepolitik. Das Programm können Sie hier herunterladen.

FÖS Jahreskonferenz und Adam-Smith-Preis 2012, 23. März 2012, Landesvertretung des Saarlandes, Berlin

Am 23. März 2012 fand im Rahmen der FÖS-Jahrestagung 2012 die Konferenz „Ressourceneffizienz durch ökonomische Instrumente - Welchen Rahmen braucht die Green Economy?" statt (siehe Berichterstattung hierzu u.a. auf EurActiv.de). Highlights waren Keynotes von Prof. Michael Succow und Günther Verheugen sowie ein prominent besetztes Abschlusspanel u.a. mit Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker und Karl Falkenberg. Zwischendurch wurden in drei parallelen Workshops die Potentiale von Baustoffsteuern in Deutschland, dem Abbau umweltschädlicher Subventionen und Ressourcensteuern in rohstoffreichen Entwicklungs- und Schwellenländern für die Schonung natürlicher Ressourcen zur Diskussion gestellt. Im Anschluss an die Konferenz fand am Freitag Abend in feierlichem Rahmen die Verleihung des diesjährigen Adam-Smith-Preis an den amtierenden EU-Steuerkommissar Algirdas Šemeta statt. Laudatoren waren Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker und Günter Verheugen. Am darauf folgenden Samstag endete die diesjährige Jahrestagung mit der FÖS-Mitgliederversammlung

FÖS-Fachgespräch: Potentiale für Ressourcenschonung durch den Abbau umweltschädlicher Subventionen, 09. Februar 2012, Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Berlin

Im Rahmen dieses Fachgesprächs wurden politische Perspektiven und aktuelle Handlungsansätze für den Subventionsabbau in unterschiedlichen Bereichen diskutiert. In drei parallelen Arbeitsgruppen wurden dazu Subventionen in den Bereichen Ernährung, Luftverkehr und Dienstwagen vertieft behandelt. Mit über 90 Anmeldungen aus verschiedenen gesellschaftlichen Spektren war das Interesse am Fachgespräch sehr groß. Eine kleine Dokumentation der Veranstaltung finden Sie hier.

Parlamentarischer Abend: Der Standort Deutschland in Zeiten der Energiewende, 26. Januar 2012, Deutsche Parlamentarische Gesellschaft, Berlin

Gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten und FÖS-Beiratsmitglied Josef Göppel (CSU) lud das FÖS zum Parlamentarischen Abend ein, um über Energieeffizienzpotentiale in der Industrie sowie über den angemessenen Beitrag der Wirtschaft bei Energieeinsparung und die Kosten der Energiewende zu diskutieren. Als Referenten standen Herr Dr. Wolfgang Eichhammer, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, und Damian Ludewig, FÖS-Geschäftsführer, zur Verfügung. Eine Dokumentation der Veranstaltung finden sie hier.

FÖS-Fachgespräch: „Besteuerung von Primärbaustoffen in Deutschland – ein sinnvoller Beitrag zur Ressourceneffizienz?", 05. Dezember 2011, Berlin, Tagungszentrum Katholische Akademie

Am 5. Dezember 2012 veranstaltete das FÖS ein Fachgespräch zu Optionen für eine Besteuerung von Primärbaustoffen in Deutschland. Baumineralien (also vor allem Kies, Sand und Natursteine) machen den weitaus größten Teil der in Deutschland gewonnenen Rohstoffe aus. Bislang wird nur ein sehr geringer Anteil in Form von hochwertigen Recyclingbaustoffen wieder verwendet. Zusätzlich bestehen große Ressourcenschonungspotentiale im Bausektor durch den vermehrten Einsatz von Baumaterialien aus erneuerbaren Rohstoffen. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen dieses Fachgesprächs die Frage diskutiert, inwieweit eine Besteuerung der Entnahme von Primärbaustoffen einen wirkungsvollen Beitrag zur besseren Ausschöpfung dieser Ressourcenschonungspotentiale leisten kann. Teilnehmer waren etwa 40 Vertreter aus Politik und Wissenschaft sowie Umwelt- und Wirtschaftsverbänden. Eine Dokumentation der Veranstaltung finden sie hier.

Workshop „Nachhaltige Entwicklung nur möglich ohne umweltschädliche Subventionen", 22. November 2011, Berlin, NABU-Bundesgeschäftsstelle

Der Workshop „Nachhaltige Entwicklung nur möglich ohne umweltschädliche Subventionen" wurde am 22. November vom Deutschen Naturschutzring (DNR) zusammen mit der der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), Vorträge wurden u.a. von UBA-Präsident Jochen Flasbarth und dem Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler (Bündnis 90/Die Grünen) gehalten. FÖS-Geschäftsführer Damian Ludewig moderierte die Arbeitsgruppe „Wie können umweltschädliche Subventionen in Deutschland abgebaut werden?", in der wesentliche Stakeholder der Agrarbranche identifiziert und Ansatzpunkte für Fortschritte für den Abbau umweltschädlicher Subventionen in diesem Bereich erörtert wurden. Einen Bericht von der Veranstaltung können Sie in einem Radiobeitrag des Deutschlandradio hören.

„Wie man die Welt mit Steuern rettet" Festvortrag am 28. Naturschutztag 13. November 2011, Bad Vilbel, Kurhaus

In Bad Vilbel engagierten sich Naturschutzfreunde 36 Jahre lang für den Schutz und Erhalt der Umwelt. Im feierlichen Rahmen des 28. Naturschutztages im Bad Vilbeler Kurhaus hielt Kai Schlegelmilch, stellv. Vorsitzender des FÖS, einen Festvortrag unter der Überschrift „Die ökologische Finanzreform – wie man die Welt mit Steuern rettet“. Die Präsentation vom Festvortrag finden Sie hier.

„Öko_logisch_STEUERN", 11. November 2011, Wien, Kardinal König Haus

Das ÖKOBÜRO und das Ökosozialen Forum veranstalteten am 11. November 2011 eine Tagung unter dem Titel: „ÖKO logisch STEUERN“ Chancen und Lenkungseffekte einer ökologischen Steuerreform. Kai Schlegelmilch, Direktor Europäische und Internationale Politik „Green Budget Europe", hielt dabei ein Vortrag zu internationalen Erfahrungen mit ökologischen Steuerreformen. Die Präsentation können Sie hier herunterladen. Zudem wurde diskutiert, wie Wirtschaft und Politik für eine ökologische Steuerreform gewonnen werden können. Dabei diente die in Deutschland durchgeführte Steuerreform von 1999-2003 als ein gutes Beispiel, wie der Faktor Arbeit entlastet und die Steuerlast auf den Faktor Energie verlagert werden kann. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Die 12. Weltökosteuerkonferenz, 20.-21.Oktober 2011, Madrid

Am 20. und 21. Oktober 2011 fand in Madrid die 12. Weltökosteuerkonferenz statt. Der FÖS-Vorsitzende Dr. Anselm Görres hielt dort den Vortrag „Serà posible el Sur Verde? A Green Recovery Strategy for the European South (and the EU)“ den Sie hier abrufen können. Zudem können Sie einen Kommentar von Dr. Anselm Görres, FÖS-Vorsitzender, und Yannis Paleocrassas, ehem. griechischer Finanzminister, in der SZ lesen, in dem er die momentane Krise der EU-„Südstaaten“ auf zwei gescheiterte Wachstumsmodelle zurückführt. 

 

 

Literaturhinweise

Holger Rogall (April 2012): Nachhaltige Ökonomie. Ökonomische Theorie und Praxis einer Nachhaltigen Entwicklung, 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage, Metropolis Verlag

Dieses Buch bietet eine systematische und allgemeinverständliche Einführung in die Nachhaltige Ökonomie, die sich als Theorie der Nachhaltigen Entwicklung unter Berücksichtigung der transdisziplinären Grundlagen versteht. Es vermittelt den LeserInnen das notwendige Wissen, um die ökonomischen, politischen, rechtlichen und technischen Grundlagen dieser neuen ökonomischen Schule verstehen zu können. Das geschieht in einer sprachlichen und didaktisch aufbereiteten Form, die auch Studierenden und interessierten Laien einen leichten Zugang ermöglicht. Von der heutigen Diskussion um eine Nachhaltige Entwicklung ausgehend, werden die traditionelle Ökonomie und notwendige Reformen erörtert und den Kernaussagen der Nachhaltigen Ökonomie und ihren Kontroversen gegenübergestellt. Mehr...

Andreas Wolfsteiner und Günter Wittmann (November 2011): Nur Egoismus kann das Klima retten. Warum ökologisches und ökonomisches Handeln kein Widerspruch sein muss, Gütersloher Verlagshaus.

Nur wenn CO2 einen Preis bekommt und sich damit Klimaschutz für Unternehmen und für Bürger aus egoistischen Motiven rechnet, besteht eine Chance, den CO2-Ausstoß nachhaltig zu reduzieren, so das Resümee der beiden Autoren nach ihrer differenzierten Analyse sämtlicher Alternativen. Ihr Plädoyer: Ein realistisches Menschenbild und eine realistische Vorstellung darüber, wie Wirtschaft funktioniert, sind Voraussetzungen für einen gelingenden Klimaschutz.
Dieses Buch begnügt sich nicht mit abstrakten Forderungen: Konkrete Vorschläge auf nationaler, EU- und internationaler Ebene werden ebenso vorgestellt wie die sozialen Aspekte des Klimaschutzes und die technischen Potenziale. „Adam Smith wäre begeistert von diesem Buch“ sagt Dr. Anselm Görres, Vorsitzender des FÖS. Mehr...

Holger Rogall, Hans Christoph Binswanger, Felix Ekardt, Anja Grothe, Wolf-Dieter Hasenclever, Ingomar Hauchler, Martin Jänicke, Karl Kollmann, Nina V. Michaelis, Hans G. Nutzinger, Gerhard Scherhorn (Oktober 2011): Jahrbuch Nachhaltige, Ökonomie 2011/2012 ...im Brennpunkt: „Wachstum"

Das Jahrbuch wendet sich an alle WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen, LehrerInnen, Studierende, Fachleute in der Verwaltung und informiert LeserInnen in der Zivilgesellschaft, die am Diskurs über die Entwicklung und Durchsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftslehre interessiert sind und sich dafür engagieren. Hierbei beruht das Jahrbuch auf den Kernaussagen des Netzwerks Nachhaltige Ökonomie. Die Nachhaltige Ökonomie wird als „ökonomische Theorie der Nachhaltigkeit unter der Berücksichtigung der transdisziplinären Grundlagen" definiert. Sie fühlt sich einer starken Nachhaltigkeit verpflichtet, welche die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit anerkennt. Das Jahrbuch konzentriert sich auf den Einfluss der Ökonomie auf eine Nachhaltige Entwicklung und ihre sozial-kulturellen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen. Mehr... 

Hans Diefenbacher und Roland Zieschank (2011): Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt. Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt, München: oekom Verlag. (Rezensiert von Tristan Furhrmann)

Die beiden Umwelt- und Nachhaltigkeitsforscher Hans Diefenbacher und Roland Zieschank beginnen ihr Buch mit einer Kritik an der Orientierung an wirtschaftlichem Wachstum, die in der Politik immer noch vorherrscht. Obwohl Wachstumskritiker schon seit Jahrzehnten darauf hinweisen, dass es in der Natur kein unbegrenztes Wachstum gibt und es das also auch nicht in der Wirtschaft geben könne, und obwohl mittlerweile unter anderem die französische und die deutsche Regierung Expertenkommissionen mit der Suche nach einem neuen Wohlfahrtsmaßes beauftragt haben, wurde 2009 das sogenannte „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ verabschiedet (und ein weiteres Mal durch Schulden finanziert). Da momentan das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dessen Entwicklung immer noch als das vorherrschende Wohlfahrtsmaß gelten, führen die Autoren dem Leser in den folgenden Kapiteln vor Augen, welche konzeptionellen Schwächen dieses Maß hat und wieso es gefährlich ist, sich gesellschaftlich nur auf dessen Steigerung zu konzentrieren. Da es nichts anderes als den Wert der in einem Jahr gehandelten Güter misst, vernachlässigt es soziale und ökologische Faktoren. So fließen die Verteilung des materiellen Wohlstands und die nicht am Markt gehandelten Güter überhaupt nicht in die Berechnung mit ein, ein Autounfall oder die Säuberungsarbeiten bei Umweltverschmutzung lassen das BIP sogar noch steigen. Für ein nur auf das Wachstum des BIP ausgerichtetes System sehen Diefenbacher und Zieschank langfristig keine Zukunft, da es sich mit Umweltzerstörung, Überschuldung und sozialer Ungerechtigkeit seiner eigenen Grundlagen beraubt. Die Leitlinien der Politik müsse dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung mit den drei Eckpfeilern Ökologie, Ökonomie und Soziales folgen. Nach einem Überblick über die in den letzten 30 Jahren entstanden alternativen Wohlfahrtsmaße, wie etwa dem „Gross National Happiness Indicator“ aus Bhutan, stellen die Autoren ihr eigenes Konzept eines Nationalen Wohlfahrtsindexes (NWI) vor, das alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen berücksichtigt. Den Anspruch das BIP zu ersetzen haben die Autoren dabei allerdings nicht. Sie sehen die Debatte um alternative Wohlstandsmaße immer noch in den Anfängen. Das BIP wird also auch weiterhin der Richtwert Nummer eins sein, muss aber um andere Werte, wie den NWI ergänzt werden, um „qualitatives Wachstum“ zu messen und überhaupt erst zu ermöglichen. Insgesamt gibt das Buch dem Leser eine knapp gehaltene, aber dennoch thematisch umfassende und verständlich formulierte Einführung in die Debatte um alternative Wohlfahrtsmaße und Wachstumkritik im Allgemeinen und bietet dem Leser somit eine solide Grundlage für eine tiefer gehende Beschäftigung mit der Thematik alternativer Wohlstandskonzepte.

 


FÖS in den Medien

Handelsblatt am 11.04.2012: „Die Argumente der Naturschützer sind nicht ohne“
Artikel über die oben genannte FÖS-Studie für Greenpeace. Mehr...

Spiegel am 11.04.2012: AKW-Betreiber könnten sich vor Entsorgungskosten drücken
Artikel über die oben genannte FÖS-Studie für Greenpeace. Mehr...

EurActiv am 29.03.2012: Knüppel statt Freiwilligkeit: Ressourceneffizienz durch Marktanreize
Bericht über die FÖS-Jahrestagung 2012. Mehr...

Süddeutsche Zeitung am 02.12.2011: „Der Mensch lernt nur durch Katastrophen"
Artikel über die Hochschultage München mit Kommentar von Dr. Anselm Görres, FÖS-Vorsitzender. Mehr...

umwelt aktuell, Ausgabe 12/2011: „Wir müssen unser Steuer- und Finanzsystem in den nächsten Jahren radikal ökologisieren"
Interview mit Damian Ludewig zum Abbau umweltschädlicher Subventionen. Mehr...

Süddeutsche Zeitung vom 17.11.2011: „Grüne Rettung für Griechenland"
Artikel von Dr. Anselm Görres, FÖS Vorsitzender, und Yannis Paleocrassas, ehem. griechischer Finanzminister, zur Schuldenkrise in den EU-Mitgliedstaaten. Mehr...

der Standard vom 14.11.2011: „Aufholbedarf bei Ökosteuern"
Artikel mit Zitat von Kai Schlegelmilch, stellv. Vorsitzender des FÖS. Mehr...

Frankfurter Neue Presse vom 14.11.2011: „Naturschützer ausgezeichnet"
Artikel über den 28. Naturschutztag in Bad Vilbel, bei dem Kai Schlegelmilch die Festrede hielt. Mehr...

Kurier vom 11.11.2011: „Reform-Stau bei Öko-Steuern"
Artikel mit Zitat von Kai Schlegelmilch, stellv. Vorsitzender des FÖS. Mehr...

 
 

Presseschau zur Ökologischen Finanzreform (ÖFR)

Verkehr

ARD Ratgeber Auto + Verkehr am 14.04.2012: Dienstwagen-Besteuerung - Privileg auf Kosten der Steuerzahler
Die umweltschädlichen und sozial ungerechten Subventionen für Dienstwagen waren Thema eines fünfminütigen Beitrages. Mehr...

Spiegel am 19.04.2012: EU-Steuerreform: Autoexperte fordert höhere Dieselsteuer

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erklärt warum eine Preiserhöhung gut für Autofahrer und Hersteller wäre. Mehr...

CO2-Handel am 16.04.2012: Schweiz: Strafzahlungen für Importautos mit zu hohem CO2-Ausstoß
Ab 1. Mai 2012 werden Schweizer Importeure verpflichtet, die CO2-Emissionen von Neuwagen im Durchschnitt auf 130 Gramm pro Kilometer zu senken. Mehr...

Handelsblatt am 15.04.2012: Die Verkehrswende wird kostspielig
Experten fordern höhere Preise und Verbote, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Mehr…

Energiewende

NZZ am 19.04.2012: Der Atomausstieg kostet 30 Milliarden
Die Energiewende ist laut Bundesrat aufgrund neuer Modellrechnungen anspruchsvoll, aber machbar. Das Finanzdepartement der Schweiz arbeitet derweil an einer ökologischen Steuerreform. Mehr…

Handelsblatt am 13.04.2012: Strom-Großverbraucher sparen zulasten von Verbrauchern
Immer mehr energieintensive Konzerne lassen sich von der Netzgebühr für den Stromtransport befreien - damit steigen die Kosten für die Verbraucher deutlich an. Zum Energiesparen verleitet die Regelung die Betriebe nicht.
Mehr...

Süddeutsche am 13.04.2012: Atomkraft lohnt sich nicht
Atomkraftbetreiber aus mehreren EU-Staaten wollen Subventionen. Ihre Forderung ist ein Eingeständnis, wie überflüssig die Kernenergie ist. Denn die Vorstellung von der Rentabilität der Atomkraft basierte schon immer auf einer schiefen Rechnung. Mehr...

WELT am 06.04.2012: Höhere Preise, strengere Auflagen und Tempolimit
Für eine erfolgreiche Energiewende empfiehlt ein Gutachten der Bundesregierung, die Verbraucher stärker zu belasten. Mehr...

Klima

Deutschlandradio am 18.04.2012: „Für den Klimaschutz steht weniger Geld zur Verfügung"
Angesichts der internationalen Wirtschaftskrise liegt der Emissionshandel brach. Christoph Bals von Germanwatch befürchtet nun, dass deshalb weltweit vermehrt Investitionen in neue Kohlekraftwerke getätigt werden, die dann „die notwendigen Klimaziele torpedieren". Mehr...

CO2-Handel am 17.04.2012: Mexiko könnte zweites Land weltweit mit eigenem Klimaschutzgesetz werden
Mexiko könnte nach Großbritannien das zweite Land weltweit werden, das ein eigenes Gesetz gegen den Klimawandel vorweisen kann. Mehr...

Süddeutsche am 17.02.2012: Die Geldquellen der Klimaskeptiker
Blogger stellen Dokumente eines US-Thinktanks ins Netz, der den Klimawandel leugnet. Zu seinen Spendern gehören namhafte Unternehmen und Tea-Party-Sympathisanten. Mehr…

taz am 11.04.2012: „Klimapolitik spart Geld“
Die Verringerung des CO2-Ausstoßes kostet Geld – aber was heute kostet, schafft das nachhaltige Wachstum der Zukunft, meint EU-Kommissarin Connie Hedegaard. Mehr...

Ressourceneffizienz

Berliner Zeitung am 12.04.2012: Länder verzichten auf Millionen-Einnahmen
Das geltende Bergrecht schreibt eine „Förderabgabe“ durch Unternehmen vor. Doch die Bundesländer verzichten darauf und lassen sich so Hunderte Millionen Euro entgehen. Mehr...

 

 

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INHALTSVERZEICHNIS
Editorial
In eigener Sache
Neues zur Ökologischen Finanzreform (ÖFR)
Veröffentlichungen
Veranstaltungshinweise
Veranstaltungsnachlese
Literaturhinweis 
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Presseschau zur Ökologischen Finanzreform (ÖFR)
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Vorstand

Dr. Anselm Görres (Vorsitz)
Dipl.-Vw. Kai Schlegelmilch
(Stellvertretender Vorsitz, derzeit ruhend)
Florian Prange M.Sc (Schatzmeister)
Dipl.-Vw. Helen Lückge
Dipl.-Vw. Bettina Meyer
Dipl.-Ing. Uwe Nestle

Geschäftsführung
Dipl.-Vw. Damian Ludewig

Beirat des FÖS
Dr. Gerhard Berz
Prof. Dr. H.-C. Binswanger, CH
Dr. Martin Bursík,
Stellv. Ministerpräsident a.D., CZ
Prof. Dr. Frank Convery, IRE
Dr. Henner Ehringhaus, CH
Dr. Franz Fischler, EU-Agrarkommissar a.D., AT
Sven Giegold, MdEP
Josef Göppel, MdB
Prof. Dr. Hartmut Graßl
Dr. Barbara Hendricks, MdB
Prof. Dr. Gebhard Kirchgässner, CH
Dr. Paul E. Metz, NL
Prof. Janet E. Milne, USA
Yannis D. Paleocrassas,
Finanzminister a.D., GR
Christine Scheel
Matthias Max Schön
Prof. Dr. Norbert Walter
Prof. Dr. E. U. von Weizsäcker
Prof. Dr. Wolfgang Wiegard
Anders Wijkman MdEP, S
Prof. Dr. Angelika Zahrnt

 
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