Ausgabe Nr. 71 · Februar 2016
 
                 

Editorial


Liebe Leserinnen und Leser,

gleich zu Beginn des Jahres erhielt das Thema Elektromobilität mehr Bedeutung. Wie Medien berichten, kursiert derzeit in Regierungskreisen ein Papier, das den Ausbau der Elektromobilität mit einer Kaufprämie in Höhe von 5000 Euro ankurbeln soll. Doch während sich Wirtschafts-, Verkehrs- und Umweltministerium geeinigt haben sollen, fehlt bislang die Zustimmung von Finanzminister Schäuble. Dabei geht es immer um die Frage: Soll es eine Kaufprämie geben, um Elektromobilität zu fördern? Und wenn ja, wie soll das Programm finanziert werden? Wir meinen: Es ist richtig, emissionsarme Fahrzeuge zu fördern, aber sicherlich nicht mit Steuermitteln zu Lasten der Allgemeinheit. Stattdessen sollten besonders klimaschädliche Fahrzeuge für die Gegenfinanzierung aufkommen – alternativ könnte der Benzin- und Dieselpreis einmalig leicht angehoben werden. Dies schlug auch Henning Kagermann vor, ehemaliger Vorstandssprecher der SAP AG und nun Leiter der Nationalen Plattform Elektromobilität.

Auch in Luxemburg bietet eine Anpassung der niedrigen Energiesteuersätze ein hohes fiskalisches und ökologisches Potential – wie von der Europäischen Kommission und OECD seit langem gefordert. Generell kommen dort ökonomische Instrumente im Umweltschutz nur in geringem Maße zum Einsatz – das luxemburgische Steuersystem bietet insgesamt einige Möglichkeiten für mehr Umweltsteuern. Dies hat das FÖS in einer Studie im Auftrag des Mouvement Écologique festgestellt. An den Ergebnissen waren nicht nur die größten Tageszeitungen interessiert, sondern auch den luxemburgische Finanzminister.

À propos, über ein noch stärkeres Wissen aus der politischen Praxis können wir uns seit Jahresanfang ganz besonders freuen. Denn Bundesminister a. D. Hans Eichel unterstützt unsere Arbeit fortan als Vorsitzender des Beirats. Als zuständiger Finanzminister zu Zeiten der Umsetzung der Ökologischen Steuerreform ist Eichel bestens mit dem Themenspektrum des FÖS vertraut. Wir sind sicher, dass er uns mit seiner Expertise dabei helfen kann, eine ökologischere und sozialere Ausrichtung des Steuersystems voranzubringen. Seine Ambitionen hat er kürzlich in einem Interview mit der taz dargelegt.

Zuletzt: Am Freitag, den 18. März 2016, findet in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt unsere diesjährige Jahrestagung statt, zu der ich Sie herzlich einladen möchte. Für die Fachkonferenz konnten wir spannende Redner_innen gewinnen, die mit Ihnen und uns über eine nachhaltige und gerechte Finanzierung des Straßenverkehrs diskutieren werden. Im direkten Anschluss und in denselben Räumlichkeiten findet unsere Mitgliederversammlung statt. Ich hoffe sehr, möglichst viele von Ihnen begrüßen zu dürfen.

Ihnen wie immer eine anregende Lektüre!

Björn Klusmann
Geschäftsführer

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In eigener Sache

Neuer Beiratsvorsitzender: Bundesminister a. D. Hans Eichel engagiert sich für ein ökologisch nachhaltigeres Steuersystem
Das FÖS hat Bundesminister a. D. Hans Eichel zum Beiratsvorsitzenden ernannt. In seiner Amtszeit als Bundesminister der Finanzen hatte Eichel die Ökologische Steuerreform erfolgreich umgesetzt und weiterentwickelt. In seiner neuen Position möchte er sich weiter für ein Steuersystem einsetzen, in dem Preise die soziale und ökologische Wahrheit abbilden. Eine
Pressemitteilung ist online verfügbar.

Jetzt anmelden: FÖS-Jahreskonferenz und ordentliche Mitgliederversammlung am 18. März 2016 in Berlin
Die diesjährige Jahrestagung wird am Freitag, den 18. März 2016, in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin stattfinden. Die Tagung beginnt mit der Abschlusskonferenz unseres Verbändeförderprojekts: "Die Zukunft des Straßenverkehrs - nachhaltig und gerecht finanziert". Direkt im 
Anschluss findet in denselben Räumlichkeiten die ordentliche Mitgliederversammlung des FÖS statt. Allen FÖS-Mitgliedern haben wir bereits eine schriftliche Einladung zur Jahrestagung zukommen lassen - wir freuen uns sehr über Ihre Teilnahme. Melden Sie sich bitte über unser Online-Formular an.

Neue Mitarbeiter_innen in der FÖS-Geschäftstelle
Seit Anfang Februar unterstützen Christian Freericks und Tanja Kowalski die Arbeit in der Geschäftsstelle des FÖS. Christian Freericks vertritt Lena Reuster während ihrer Elternzeit als Wissenschaftlicher Referent Energiepolitik, Tanja Kowalski kümmert sich in Zukunft um das Sekretariat. An dieser Stelle möchten wir Sie nochmals willkommen heißen
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FÖS in den Medien

"Auguste musste sterben", Multimedia-Feature mit einer Grafik aus FÖS-Zahlen, Zeit Online, 11.02.2016

"'Wir brauchen zusätzliches Geld'", Interview mit dem Beiratsvorsitzenden des FÖS Bundesminister a. D. Hans Eichel, taz, 12.02.2016

"Elektroautos für später - Was aber hilft jetzt gegen Feinstaub und Stickoxid?", Radiobeitrag mit Zitaten von FÖS-Geschäftsführer Björn Klusmann, Deutschlandfunk Umwelt & Verbraucher, 02.02.2016

"Sputt, fir op Wee vun nohalteger Steierreform ze goen", Artikel sowie Video- und Radiobeitrag über die FÖS-Studie "Ein nachhaltiges Steuersystem für Luxemburg", RTL, 27.01.2016

"Eine günstige Gelegenheit", Artikel über die FÖS-Studie "Ein nachhaltiges Steuersystem für Luxemburg", Letzebuerger Journal, 27.01.2016

""Weniger Steuern auf Arbeit, mehr auf Kapital"", Artikel über die FÖS-Studie "Ein nachhaltiges Steuersystem für Luxemburg", Luxemburger Wort, 26.01.2016

"Nachhaltige Steuerreform: "sehr viel Potenzial"", Artikel über die FÖS-Studie "Ein nachhaltiges Steuersystem für Luxemburg", Tageblatt Letzebuerg, 26.01.2016

"Vorfahrt für Spritfresser - zu Lasten des Klimas", Rundfunkbeitrag über das Dienstwagenprivileg mit Zitaten von FÖS-Verkehrsexperte Alexander Mahler, Deutschlandfunk, 09.01.2016

"Geringe Reichweite und hohe Preise behindern E-Auto-Absatz", Artikel mit Hinweis zur FÖS-Metaanalyse zur Energiewende im Verkehr, BIZZ energy today, 06.01.2016

"After Paris, Learning from Germany's Renewable Revolution", Artikel über die Energiewende mit Erwähnung des FÖS, Hufftington Post, 15.12.2015

 
 

FÖS-Nachrichten

Neue Ausgabe von "movum" veröffentlicht - Thema: Effizienz und Suffizienz
Berlin, 09. Februar 2016
Die neueste Ausgabe von "movum - Briefe zur Transformation" widmet sich dem Thema Effizienz und Suffizienz und behandelt u.a. die Suche nach passenden Antworten auf den Klimawandel (Technologie oder Verzicht?) und das Experiment, ein Leben ohne Geld zu führen. "movum" liegt in gedruckter Form regelmäßig und kostenlos dem „enorm“ Magazin bei. Die Ausgabe "Effizienz und Suffizienz" ist auch online verfügbar.

Kaufprämie für Elektroautos darf nicht aus Steuermitteln finanziert werden
Berlin, 02. Februar 2016
Mit Blick auf das heutige Spitzentreffen zur Elektromobilität im Kanzleramt haben der Deutsche Naturschutzring (DNR) und das FÖS ihre Ablehnung einer Kaufprämie für Elektroautos aus Steuermitteln betont. Stattdessen sollte die Maßnahme durch klimaschädliche Fahrzeuge gegenfinanziert werden. Eine gemeinsame Pressemitteilung ist online verfügbar.


Offener Brief: Deutsche Verbände unterstützen Stärkung der EU-Energieeffizienzrichtlinie
Berlin, 29. Januar 2016
Im aktuell laufenden Revisionsverfahren der EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) haben sich eine Reihe wichtiger deutscher Unternehmensverbände, Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen sowie Kirchen für eine deutlich ambitioniertere europäische Energieeffizienz-Politik ausgesprochen. Der offene Brief an EU-Energiekommissar Cañete sowie Bundesminister Gabriel und Bundesministerin Hendricks sowie eine Pressemitteilung der Initiative #effizienzwende sind online verfügbar.

Analyse des luxemburgischen Steuersystems zeigt großes Potential für Umweltsteuern auf
Berlin, 26. Januar 2016
In Luxemburg trägt der Faktor Arbeit den Großteil der Steuerlast – tendenziell wird diese Belastung sogar weiter zunehmen. Dies zeigt eine aktuelle Studie des FÖS im Auftrag von Mouvement Ecologique. Aktivitäten mit negativen Folgen für Klima, Umwelt und Gesundheit hingegen werden meist nur unzureichend besteuert. Die Pressemitteilung sowie die Studie sind online verfügbar.


Stellungnahme: Effizienzanreize bei EEG-Ausnahmen verbessern
Berlin, 25. Januar 2016
Mit einem Verordnungsentwurf zur Berechnung der Stromkostenintensität in Unternehmen will die Bundesregierung eine Vorgabe der EU-Beihilfeleitlinien umsetzen. Es geht um die Frage, welche Unternehmen in Zukunft Anspruch auf Ausnahmen bei der EEG-Umlage haben. Das FÖS unterstützt bessere Anreize für Energieeffizienz, befindet die konkreten Vorschläge des Entwurfs allerdings für unzureichend. Zusätzlich sollten Stromeffizienzbenchmarks genutzt werden und Effizienzinvestitionen als Gegenleistung für Preisvergünstigungen gefordert werden. Die Stellungnahme mit den konkreten Kritikpunkten und Änderungsvorschlägen ist online verfügbar.

Nur ein paar Cent mehr auf Sprit können Elektromobilität effektiv fördern
Berlin, 22. Januar 2016
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel plant, den Verkauf von Elektroautos mithilfe einer Kaufprämie zu fördern. Aus Sicht des FÖS kann die Förderung dem Klimaschutz nur dann dienen, wenn sie nicht aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert wird. Stattdessen sollten besonders klimaschädliche Fahrzeuge für die Gegenfinanzierung aufkommen – entweder über die Energie- oder über die Kfz-Steuer. Eine Pressemitteilung ist online verfügbar.

 
 

Buchrezension 

Dr. Reinhard Loske: "Politik der Zukunftsfähigkeit"
Dr. Botho Kickhöfer, München, Februar 2016

„Zukunftsfähigkeit“, „Nachhaltigkeitswende“ – mittlerweile sind sie fast schon zu Allerweltsworten verkommen. Die politischen Parteien hantieren immerfort damit. Manch einem mag da eher das große Gähnen kommen. In diesem Fall wäre das schade, denn Reinhard Loske versteht es auf brillante Weise, diese Begriffe mit Leben zu füllen.

Nur ein weiteres Buch zum Thema Nachhaltigkeit?
Politisch ist Loske ein alter Bekannter, um die Jahrtausendwende kämpfte er als umweltpolitischer Sprecher und Vize der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen für die „Ökosteuer“ und wurde dafür 2008 vom FÖS mit dem Adam-Smith-Preis ausgezeichnet. Mittlerweile lehrt er als Professor für Nachhaltigkeit an der Universität Witten/Herdecke und wie der Titel vermuten lässt, hat er breit gefächerte Anliegen - aber auch einen klaren Fokus: Es geht ihm um eine Verzahnung der  Vorstellungen von Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie mit dem Nachhaltigkeitsparadigma. Um Freiheit und intergenerative Gerechtigkeit durch den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu ermöglichen, bedarf es nach Loske angemessener Rahmenbedingungen und dem Ausbau dezentraler Bottom-Up-Initiativen, welche die repräsentative Demokratie ergänzen. Fokus seines Anliegens ist es, zu zeigen, dass eine nachhaltige Ökonomie möglich ist. Den Ausgangspunkt seiner Argumentation bildet die Überzeugung, die Gestaltungsaufgaben in der heutigen Welt mit dem Bild einer Einheit von Ökonomie, Ökologie und Sozialem nicht angemessen erfassen zu können. Vielmehr müsse es einen Primat der Ökologie in dem Sinne geben, dass sich die soziale Entwicklung von Gesellschaften an den gegebenen Naturbedingungen auszurichten habe.

Wege und Probleme
Nicht hilfreich für die Entfaltung konkreter Utopien sei pauschale Politiker-Schelte („Salonradikalismus“), gleichwohl könne man von der formalen Politik angesichts ihrer Kurzatmigkeit keine wesentlichen Impulse für langfristig-nachhaltige Konzepte erwarten. Perspektiven eröffneten sich eher durch Erzählungen gelungener Praxis, auch um die Ökologie- und Nachhaltigkeitsdebatte von einem Kritik- in einen Gestaltungsansatz zu überführen. Dieser narrative Ansatz bedürfe jedoch politischer Rahmenbedingungen, die es vielversprechenden Nischenentwicklungen möglich machen, sich auszubreiten. Hierzu müsse man aber untersuchen, ob es kritische Obergrenzen für dezentral funktionierende Strukturen gibt; ob beispielsweise das Zusammenführen von Produzent und Konsument („Prosumer“) sich auf größere Einheiten wie Staaten oder Staatengemeinschaften übertragen lässt. Oder ob die systemischen Vorteile von Spezialisierungseffekten und Massenproduktion (sinkende Stück- und Grenzkosten = Skalierungserträge) zu gewichtig sind, um kleinen Einheiten eine relevante Ausbreitung zu ermöglichen. Das ist in der Tat eine interessante Fragestellung und sie durchzieht weite Teile des zentralen Kapitels („Politische Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaften“), mal explizit, mal implizit.

Strategische Momente nachhaltiger Politik
Die zentralen ökonomisch-ökologischen Begriffe für „Konturen einer Nachhaltigkeitswende“ werden anhand der drei Postulate des „besser“, „anders“ und „weniger“ behandelt. „Besser“ beinhaltet die Effizienz. Nach Loske ein wichtiger Punkt, der aber nicht überschätzt werden dürfe, weil die Unternehmen nur dann an dieser Schraube drehen, wenn der Kostendruck spürbar ist. Eine Effizienzsteigerung ist nur bei verlässlich steigenden Preisen zu erreichen, diese aber sind in der Realität volatil, außerdem sei der Ressourcenanteil an den Gesamtkosten weithin gering (Wir möchten ergänzen: Diese Volatilität müsste der Staat in eine verlässliche Progression umwandeln). Der Rebound-Effekt schränke die Wirksamkeit zudem erheblich ein. Mit „Anders“ meint er die Substitution, die Ersetzung v.a. von Kohle und Öl durch die Erneuerbaren Energien. Hier drehe sich die Diskussion weithin um inzwischen historisch zu nennende Fragen wie „Peak Oil“ u.ä., während es längst nicht um das Nutzen oder das Ende der Nutzbarkeit, sondern ums Unterlassen gehe, um politisch gesetzte Nutzungsgrenzen wegen der Klimaerwärmung. „Weniger“ heißt Sparsamkeit, Bescheidenheit, Verzicht, also Suffizienz. Die Problematik des Suffizienz-Rebounds wird im Buch so nicht benannt, aber inhaltlich wird klar, dass es auch hier eine Verschiebung des Konsums auf bisher nicht Genutztes geben kann; bzw. dass andere von Konsumverweigerung oder -verschiebung der Suffizienz-Praktiker profitieren, weil die Preise fallen. Zum „Weniger“ gehören auch Subsistenz und Kooperation – und hier sind wir explizit wieder bei den kleinen Einheiten und der Frage nach ihrer Verallgemeinerbarkeit bzw. den eventuell kritischen Obergrenzen. „Subsistenz“ meint: Selber machen statt auf den Markt zu gehen; eine Entwicklung, die in manchen Städten einen Boom erlebt – mit Reparaturcafés, Tauschringen, Freiwilligendiensten, Gemeinschaftsgärten (Urban Gardening oder auch urbane Landwirtschaft/Urban Agriculture) u.v.m. Nur: Werden diese Subsistenzstrukturen ab einer bestimmten Größenordnung vom Kapitalismus in Marktstrukturen transformiert? Und: Welche Regulierungsbedürfnisse muss die Bürgergemeinschaft anmelden und welche die Politik durchsetzen? Reale Entwicklungen, etwa beim sharing-Konzept, verlangen dringend eine Antwort.
Loske setzt auf eine ganzheitliche (holistische) Herangehensweise bei der Behandlung der skizzierten drei Nachhaltigkeitspostulate. Alle sind notwendig, sie ergänzen sich und er plädiert für Toleranz und das Aushalten von (scheinbaren) Widersprüchlichkeiten (Ambiguitätstoleranz) unter den ökologisch Engagierten; sonst werden unversehens potentielle Mitstreiter zu Gegnern und der wirkliche, gut organisierte Gegner kann sich die Hände reiben.

Worauf es vor allem ankommt
Diese Haltung hindert den Autor nicht daran, Prioritäten erkennbar zu machen: Er setzt auf Ökosteuern und allgemein auf eine Umstrukturierung der Staatseinnahmen. Nötig sind höhere Steuern und Abgaben auf Ressourcenverbrauch, Konsum und leistungslose Kapitaleinkünfte sowie Senkung von Steuern und Abgaben auf produktive Arbeit und gemeinwohldienliches unternehmerisches Handeln. Die politische Akzeptanz ließe sich in weiten Teilen der Bevölkerung erhöhen, wenn man einen Ökobonus (oder: eine Klimadividende) einführte, also jede_r Bürger_in jährlich vom Finanzamt einen für alle gleich hohen „Ökoscheck“ (z.B. 100 Euro) überwiesen bekäme, wie es z.B. die Schweiz bereits tut. Denn gerade Einkommensschwächere profitierten (Ökonomen sagen: durch die progressive Wirkung) von solch einem allgemeinen fixen Satz, denn die angenommenen 100 Euro machen hier einen höheren Prozentsatz am Einkommen aus. Und das verbreitete -  für sich genommen: meist richtige! - Argument gegen Ökosteuern, dass diese die Ärmeren (durch ihre regressive Wirkung) besonders belasteten, weil z.B. eine Erhöhung von zehn Cent pro Liter Heizöl einen höheren Anteil am Einkommen ausmacht, wäre vom Tisch. Zu den Prioritäten gehört auch der Abbau umweltschädlicher Subventionen, nicht selten getarnt als Strukturhilfen oder Ähnliches. Die OECD schätzt sie auf jährlich weltweit mindestens 400 Mrd. USD – das ist das Vierfache der Summe, die die Industriestaaten den Entwicklungsländern an Klimaschutzunterstützung zugesagt haben (Green Climate Fund). Der entscheidende Schlüssel zur Verbesserung der Energie- und Ressourcenproduktivität liegt nach Loske im intelligenten Einsatz ökonomischer Instrumente. Sie können durch Anreize statt (ordnungsrechtlicher) Ge- und Verbote dafür sorgen, dass die Preise wenigstens näherungsweise die „ökologische Wahrheit“ sagen und so der Innovationsdynamik gerade auch kleinerer und mittlerer Unternehmen sowie unseren Alltagspraktiken eine neue Richtung geben. Dann werden auch Menschen, die mit nachhaltiger Entwicklung „nichts am Hut haben“, sich nachhaltig verhalten, weil es sich rechnet.

Fazit
Das Buch ist lesenswert für alle, die mit Positionen des FÖS sympathisieren. Es eignet sich also besonders als Lese-Empfehlung für Bekannte und Freunde im eigenen persönlichen und beruflichen Umfeld.

"Politik der Zukunftsfähigkeit: Konturen einer Nachhaltigkeitswende" ist im S. Fischer Verlag (ISBN: 978-3-596-03221-1) erschienen und kostet 12,99 Euro.

 
 

Publikationshinweise

Finanzierung der Flüchtlingspolitik
Finanzwissenschaftliches Forschungsinstitut an der Universität zu Köln (Februar 2016)
Falls die Staatsfinanzen aufgrund der Ausgaben zur Versorgung von Flüchtlingen zu stark beansprucht werden, sollten eher Steuern erhöht denn neue Schulden gemacht werden. Dies empfehlen die Autor_innen des FiFo, Caroline-Antonia Hummel und FÖS-Beiratsmitglied Dr. Michael Thöne. Als interessante Variante wird dabei der Vorschlag von Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble (CDU) genannt, über eine Anpassung des Benzin- und Dieselpreises die europäische Lastenteilung zu schultern. Die Studie wurde im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung erstellt und sucht nach einer ausgewogenen Finanzierung der Flüchtlingsleistungen bei Bund, Ländern und Kommunen.

Die Energiewende nach COP 21 – Aktuelle Szenarien der deutschen Energieversorgung
Dr. Joachim Nitsch (Februar 2016)
Damit Deutschland die beim Klimagipfel von Paris (COP21) beschlossenen Ziele erreichen kann, bedarf es weiterer Bemühungen seitens der Bundesregierung. Das ist das Ergebnis einer
Szenario-Analyse von Dr. Joachim Nitsch im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). In der Annahme der aktuellen Entwicklung würde Deutschland seine Ziele für 2020 (40 Prozent) und 2050 (95 Prozent), Treibhausgasemissionen zu mindern, um acht bzw. 37 Prozent verfehlen. Um die COP21-Beschlüsse entsprechend umzusetzen, sei bereits im Jahr 2025 ein Anteil erneuerbarer Energien von mindestens 60 Prozent am Bruttostromverbrauch erforderlich.

Strategische Ansätze für die Gestaltung des Strukturwandels in der Lausitz
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Februar 2016)
Welche strategischen Ansätze dazu dienen können, um den Strukturwandel in der von Braunkohleförderung und –verstromung geprägten Lausitz gestalten zu können, haben Wissenschaftler_innen des Wuppertal Instituts untersucht. Zur aktiven Gestaltung des Strukturwandels werden präventive Instrumente und Maßnahmen vorgeschlagen, u.a. die Einrichtung eines nationalen Strukturwandelfonds. Vor dem Hintergrund des „sukzessiven Rückgangs der Beschäftigung in der Lausitzer Braunkohleförderung und -verstromung“ hat die brandenburgische Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die
Kurzstudie in Auftrag gegeben, um insbesondere aus den Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen und dem Rheinischen Revier zu lernen.

Modellrechnungen für den vierten Tragfähigkeitsbericht des BMF
Finanzwissenschaftliches Forschungsinstitut an der Universität zu Köln (Februar 2016)
Die Tragfähigkeitslücke bleibt trotz Konsolidierung der deutschen Staatsfinanzen kaum verändert. Dies ist das zentrale Ergebnis von FiFo-Policy-Fellows Martin Werding, der parallel zum kürzlich veröffentlichen
Tragfähigkeitsbericht des Bundesministeriums der Finanzen mit dem FiFo-Bericht Nr. 20 die dahinter stehenden Berechnungen vorlegt.

After Paris: Fiscal, Macroeconomic, and Financial Implications of Climate Change
Internationaler Währungsfonds (Januar 2016)
In der
Studie diskutieren die Autoren des IWF ein Set von Instrumenten, um die gesetzten Ziele des Paris-Abkommens 2015 politisch zu verwirklichen. Das Ergebnis: Fiskalische Anreize werden eine Schlüsselrolle spielen, zentral ist die Bepreisung von CO2. Durch diese ökologische Neuausrichtung der Anreizstruktur könne der Übergang zu einem klimafreundlichen Wirtschaftssystem bewerkstelligt werden.

Die Sanierung des deutschen Gebäudestandes
Buildings Performance Institute Europe (November 2015)
Diese
Studie des BFIE untersucht mehrere Szenarien, wie die Energieeffizienz von Gebäuden sich verbessert lässt. Aus Sicht eines Gebäudeeigentümer bzw. Investor wird analysiert: Bis zu welchem Grad sind Sanierungen unter welchen Voraussetzungen wirtschaftlich? Energiesparkostenkurven geben darüber Aufschluss. So könnten die potenziellen Auswirkungen verschiedener Kombinationen von politischen Instrumenten verglichen und bewertet werden. Mit den Ergebnissen möchte das Institut die politische Debatte um Strategien zur Sanierung des deutschen Gebäudestandes anregen.

 
 

Veranstaltungshinweise

FÖS-Regionalgruppe München: „Förderung der Elektromobilität – Lösungsbeitrag oder Geldverschwendung?"
10. März 2016 - Orange Bar, München
Die FÖS-Regionalgruppe München lädt zum Vortrag über die Förderung von Elektromobilität ein. Wie sinnvoll ist die Förderung? Das Umwelt- und Prognose-Institut e. V. (UPI) hat die ökologischen Auswirkungen von Elektro-Autos untersucht und kommt zu zwiespältigen Ergebnissen. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz in Bayern e. V. (Kreisgruppe München),  Green City – Münchner Mobilitätskultur, der Petra-Kelly-Stiftung, der Umwelt-Akademie e. V. und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V. statt. Weitere
Informationen zur Veranstaltung sind online verfügbar.

FÖS-Jahreskonferenz "Die Zukunft des Straßenverkehrs - nachhaltig und gerecht finanziert"
18. März 2016 - Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Berlin
Während der Verkehr seine Klimaziele voraussichtlich nicht erreichen wird, stellt die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur den Bundeshaushalt vor große Herausforderungen, was Expert_innen-Kommissionen regelmäßig wiederholen. Welcher Rahmen sollte gesetzt werden, dass unsere Marktwirtschaft effiziente, nachhaltige und effektive Antworten findet? Um diese und weitere Fragen geht es bei der diesjährigen FÖS-Jahreskonferenz, die in den Räumen der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin stattfindet. Weitere Informationen zur Jahreskonferenz sind online verfügbar.

Ordentliche Mitgliederversammlung des FÖS
18. März 2016 - Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Berlin
Im Anschluss an die Jahreskonferenz findet die ordentliche Mitgliederversammlung statt. Weitere Informationen zur Mitgliederversammlung sind online verfügbar
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17th Global Conference on Environmental Taxation: Smart instrument mixes in a greening economy

22.-23. September 2016 - Groningen, Niederlande
Die 17. Weltökosteuerkonferenz wird in diesem Jahr von der Universität Groningen veranstaltet. Unter anderem sollen, mit Blick auf die niederländische EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2016, marktwirtschaftliche Errungenschaften aus den Niederlanden und der EU präsentiert und mit weltweiten Erfahrungen betrachtet werden. Weitere Informationen zur Konferenz sind online verfügbar.

 
 

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Dr. Tobias Ernst (Stellv. Vorsitz)
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Bettina Meyer
Eike Meyer
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Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger
Dr. Karl-Heinz Daehre
Dr. Henner Ehringhaus
Prof. Dr. Felix Ekardt
Sven Giegold, MdEP
Josef Göppel, MdB
Dr. Peter H. Grassmann
Ulrich Kelber, MdB
Rüdiger Kruse, MdB
Damian Ludewig
Jürgen Maier
Prof. Dr. Dirk Messner
Prof. Dr. Wolfgang Methling
Prof. Dr. Bernd Meyer
Lisa Paus, MdB
Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher
Max Schön
Mag. Dr. Stephan Schulmeister
PD Dr. Ulrich Thielemann
Dr. Michael Thöne
Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Prof. Dr. Angelika Zahrnt

 
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