Stein- und Braunkohle

Kohle: die umweltschädlichste Art der Stromerzeugung

Die Stromerzeugung aus Kohle verursacht nicht nur die meisten CO2-Emissionen aller eingesetzten Energie-träger, sondern verursacht zudem auch große Mengen gesundheitsschädlicher Feinstaubemissionen. Dies gilt insbesondere für den Einsatz von Braunkohle zur Stromerzeugung. Trotz ambitionierter Energiewendeziele basiert ein bedeutender Teil der deutschen Stromversorgung auf dem Energieträger Kohle. Die vergleichsweise inflexiblen Kohlekraftwerke sind zudem kaum mit den steigenden Anforderungen an eine flexible Fahrweise im Zuge eines Strommarkts mit wachsendem Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien vereinbar.
Die politischen Rahmenbedingungen müssen daher so gesetzt werden, dass insbesondere alte und emissi-onsintensive Kraftwerke weniger Strom produzieren.

Staatliche Förderung der Stein- und Braunkohle im Zeitraum 1970-2014
Trotz der negativen ökologischen Auswirkungen der Stein- und Braunkohlenutzung in der Stromerzeugung wurde Kohle in der Vergangenheit (und heute noch) durch zahlreiche staatliche Regelungen gefördert. Unter Anwendung eines weiten Subventionsbegriffs wurde Steinkohle mit 327 Mrd. EUR und Braunkohle mit 95 Mrd. EUR subventioniert.


 
Unwirtschaftlichkeit neuer Kohlekraftwerke
Neue Kohlekraftwerke sind mittel- bis langfristig nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Denn für die Zukunft ist mit steigenden Brennstoff- und CO2-Kosten zu rechnen. Dies macht Investitionen in Kohle zu sogenannten „stranded investments“. In einer Wissenschaftlererklärung warnten daher schon im Jahr 2009  ÖkonomInnen vor der Unwirtschaftlichkeit neuer Kohlekraftwerke.

FÖS-Konzept: Abbau umweltschädlicher Subventionen und Internalisierung externer Effekte
Die derzeitigen Marktverzerrungen der umwelt- und klimaschädlichen Kohleverstromung gegenüber erneuerbaren Energien und anderen Energieträgern müssen abgebaut werden, so dass ein schrittweiser Ausstieg aus der Kohleverstromung eingeleitet wird. Bei der Ausgestaltung von Instrumenten zur Reduktion der Kohle ist der damit beschleunigte Strukturwandel in den betroffenen Regionen mit zu bedenken. Eine Verschleppung des notwendigen Strukturwandels sollte in jedem Fall vermieden werden – sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Dafür empfiehlt das FÖS folgende Maßnahmen:
• Die externen Kosten der Treibhausgasemissionen und Luftschadstoffe müssen stärker eingepreist werden, z.B. durch eine ambitionierte Reform des Europäischen Emissionshandels, flankiert durch nationale Maßnahmen zur CO2-Bepreisung (z.B. Mindestpreis oder Klimaabgabe).
• Die Risiken, die sich aus Altlasten und Ewigkeitskosten (Grubenwasserhaltung, Dauerbergschäden, Grundwasserreinigung sowie die Pensionsverpflichtungen gegenüber ehemaligen Bergbaubeschäftigten) ergeben, müssen allein von den Verursachern getragen werden.
• Die steuerlichen Begünstigungen bei Energiesteuern und Abgaben (z.B. Förderabgabe und Wasserentnahmeentgelte) sollten abgebaut werden.
• Begleitung des Kohleausstiegs durch einen sozial verträglichen Strukturwandel

Studien und weitere Informationen
• Studie des FÖS und IASS (2016): Finanzielle Vorsorge im Braunkohlebereich. Optionen zur Sicherung der Braunkohlerückstellungen und zur Umsetzung des Verursacherprinzips
   • Financial precaution in the lignite industry (englische Übersetzung)
   • Am Ende ohne Kohle? (böll.brief)
• FÖS-Kurzstudie (2015): Gesellschaftliche Kosten der Braunkohle im Jahr 2015
• FÖS-Analyse (2015): Teurer Klimaschutz mit Kapazitätsreserve. Vergleich der Konzepte zur CO2-Reduktion im Stromsektor bis 2020 durch Stilllegung und Vergütung von Kohlekraftwerken
• FÖS-Hintergrundpapier (2015): Der nationale Klimabeitrag – ökonomisch vernünftig und ökologisch notwendig
• Offene Erklärung von Ökonom_innen und Energiewissenschaftler_innen (2015): „Nationalen Klimabeitrag“ des Stromsektors konsequent umsetzen - 2020-Ziel einhalten
• FÖS-Factsheet (2015): Fehlinvestitionen der Energieversorgungsunternehmen E.ON und RWE
• FÖS-Factsheet (2015): Entwicklung von Stein-und Braunkohlekapazitäten im deutschen Kraftwerkspark
• FÖS-Studie (2015): Was Strom wirklich kostet
• FÖS-Kurzstudie (2014): Umsetzung eines CO2-Mindestpreises in Deutschland
• FÖS-Studie (2014): Kostenrisiken für die Gesellschaft durch den deutschen Braunkohletagebau
• FÖS-Factsheet zu den Zusatzkosten von konventionellen Energieträgern (2013): Zusatzkosten von Strom aus konventionellen Energieträgern außerhalb des Strompreises
• FÖS-Diskussionspapier (2012): Das Potential der bergrechtlichen Förderabgabe für Ressourcenschutz und Länderfinanzen
• FÖS-Studie (2010): Billiger Strom aus Atom und Kohle? Staatliche Förderungen 1970-2008
• FÖS-Studie (2010): Staatliche Förderungen der Stein- und Braunkohle im Zeitraum 1950-2008

Pressemitteilungen
Pressemitteilung der Klima-Allianz Deutschland zur Studie des FÖS und IASS "Finanzielle Vorsorge im Braunkohlebereich", Berlin, 07.06.2016
Pressemitteilung von Greenpeace zur FÖS-Kurzstudie "Gesellschaftliche Kosten der Braunkohle im Jahr 2015", Berlin, 11.11.2015
Pressemitteilung von Greenpeace zur FÖS-Analyse des IG-BCE-Gegenvorschlags zur Klimaabgabe, Berlin, 22.06.2015
Pressemitteilung zur bevorstehenden Entscheidung über den nationalen Klimabeitrag, Berlin, 09.06.2015
Pressemitteilung zur offenen Erklärung von Ökonom_innen und Energiewissenschaftler_innen zum Klimabeitrag, Berlin, 22.04.2015
• FÖS-Pressemitteilung zu Gabriels Klimabeitrag „Sanfter kann man Strukturwandel nicht einleiten“, Berlin, 27.03.2015
Pressemitteilung: WirtschaftswissenschaftlerInnen warnen vor dem Finanz- und Klimarisiko neuer Kohlekraftwerke in Deutschland, Berlin, 17.09.2009