Großbritannien

Ökosteuern in Großbritannien

Überblick
1993 führt Großbritannien eine sog. Straßen-Kraftstoffabgabe (fuel duty escalator) ein, um den Klimawandel zu bekämpfen. Die Straßen-Kraftstoffabgabe steigt um jährlich fünf Prozent. Die Einnahmen aus diesen Abgaben wurden aber nicht zur Steuersenkung oder für Umwelt- und Klimazwecke verwendet, sodass die Öffentlichkeit die neue Abgabe als Instrument zur Einnahmensteigerung der Staatskasse sah.

1995 hebt die Regierung die Mehrwertsteuer auf Kraftstoff entsprechend der EU-Anforderungen von 8% auf 17,5% an. 1996 wurde dann eine sehr niedrige Flächenverbrauchssteuer eingeführt, um mit den Einnahmen die Sozialversicherungsbeiträge zu senken.

1997 wurde die Straßen-Kraftstoffabgabe von 5% auf 6% jährliche Steigerung angehoben. Gleichzeitig wurde von der Regierung ein Positionspapier zu ihren Absichten bei der Ökobesteuerung veröffentlicht, das sich an den Grundzügen einer ÖFR orientiert.

In den Jahren 1998 bis 2001 wurde die Flächenverschmutzungssteuer auf ein Pfund pro Tonne angehoben, um mit den Einnahmen die Belastung der Arbeitnehmer mit Sozialabgaben zu reduzieren. Außerdem wurde die Verbrauchsbesteuerung für schadstoffarme Neuwagen reduziert. Nach heftigen Protesten der LKW-Fahrer wurde im Jahr 2000 die Straßen-Kraftstoffabgabensteigerung ausgesetzt und im Jahr 2001 nach weiteren Protesten abgeschafft. 2001 wurde dann eine Steuer zur Klimaänderung („Climate Change by Levy") eingeführt.

Am 27. März 2003 gab die Regierung bekannt, dass die CO2- und Treibhausgasemissionen jeweils 2002 um 3,5% gesunken seien; dies bringe das Land im Bezug auf die Erfüllung der Kyoto-Vereinbarungen auf den richtigen Kurs. Desweiteren betonte die Regierung die Wichtigkeit die Energieintensität der Wirtschaft zu senken. In den vergangenen 12 Jahren sei die Wirtschaft um 30,5% und mit ihr der Energieverbrauch um 6,5% gewachsen.

4. April 2003: Die neue Innenstadtmaut für Autos in London ist offensichtlich erfolgreich gestartet: Seit der Einführung im Februar sank das Verkehrsaufkommen in der Londoner City um ein Fünftel!


Großbritanniens Energie- & Ökosteuern

Diesel geringer Schwefelgehalt 0,7375€/Liter
Diesel hoher Schwefelgehalt 0,834€/Liter
Dieselheizöl (rot eingefärbt) 0,5038€/Liter
Dieselheizöl zur Befeuerung von Öfen 0,441€/Liter
Verbleites Benzin 0,8801€/Liter
Normales Benzin 0,7858€/Liter
Flugbenzin 0,44€/Liter
Gas als Treibstoff für Straßenfahrzeuge 0,1449€/Liter
Elektrizitätsproduktion 0,7% des Preise

Da sich die Steuersätze in den einzelnen, oder zumindest in manchen, EU-Staaten laufend ändern, können wir keine Garantie für diese Angaben machen. Wegen des umfangreichen Rechercheaufwands überprüfen wir diese Daten nur halbjährlich. Sollten Sie aber brandaktuelle Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an die Finanzämter und Umweltministerien der einzelnen Staaten.

Private PKW

ab 208,13€/Jahr

Elektroautos

55,50€/Jahr

Motorräder<150ccm

20,81€/Jahr

Motorräder 150 - 250ccm

55,50€/Jahr

Motorräder >250ccm

83,25€/Jahr

Elektromotorräder

20,81€/Jahr

Busse 9-16 Sitze

222,01€/Jahr

Busse 17-35 Sitze

291,38€/Jahr

Busse 36-60 Sitze

444,01€/Jahr

Busse mit mehr als 61 Sitzen

666,02€/Jahr

Landwirtschaftliche Maschinen

50,50€/Jahr

Die Besteuerung von LKW, PKW, Anhängern und anderen (Nutz-) Fahrzeugen erfolgt in Großbritannien nach einem kompliziertem System, abhängig von der Achsenanzahl und Gesamtgewicht

Da sich die Steuersätze in den einzelnen, oder zumindest in manchen, EU-Staaten laufend ändern, können wir keine Garantie für diese Angaben machen. Wegen des umfangreichen Rechercheaufwands überprüfen wir diese Daten nur halbjährlich. Sollten Sie aber brandaktuelle Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an die Finanzämter und Umweltministerien der einzelnen Staaten.

Kohleverbrennung

0,0038 - 0,188€/Kg

Koksverbrennung

0,0038 - 0,188€/Kg

Elektrizitätsverbrauch normaler/ermäßigter Satz

0,0069/0,0014€/KwH

Erdgasverbrauch normaler/ermäßigter Satz

0,0024/0,0005€/KwH

Flüssiges Erdölgas zu Heizzwecken normaler/ermäßigter Satz

0,0155/0,0031€/Kg

Da sich die Steuersätze in den einzelnen, oder zumindest in manchen, EU-Staaten laufend ändern, können wir keine Garantie für diese Angaben machen. Wegen des umfangreichen Rechercheaufwands überprüfen wir diese Daten nur halbjährlich. Sollten Sie aber brandaktuelle Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an die Finanzämter und Umweltministerien der einzelnen Staaten.

Hier gelangen Sie zum Finanzamt von Großbritannien.


Erfolge und Wirkungen der ÖFR in Großbritannien

Wie eine Konferenz des Fördervereins Ökologische Steuerreform im Juni 2004 in Berlin gezeigt hat, bewerten viele britische Firmen die CO2-Abgabe positiv. (1) Die britische Regierung hat für 2005 angekündigt ihre G8 und EU-Präsidentschaft verstärkt für Fortschritte beim weltweiten Klimaschutz zu nutzen. Wie Lord May, Präsident der Royal Society, am 7. März 2005 an der Britischen Botschaft in Berlin betonte, hat Großbritannien den Klimawandel zum Schwerpunktthema des G8 Gipfels erklärt und sich zum Ziel gemacht, die USA von der Notwendigkeit der Emissionsreduzierung zu überzeugen.(2)

Neben den anderen Ökosteuervorreiterstaaten hat Großbritannien mit den europaweit höchsten Benzinpreisen eine beeindruckende Bilanz der Verkehrsemissionen vorzuweisen: CO2 -Emissionen Senkung im Verkehr


Probleme

Am ersten April 2003 warnt der Klimaausschuss in seiner Bilanz das Parlament, dass die britischen Bemühungen zur Senkung der Treibhausgasemissionen ernsthaft in Gefahr seien, „vom Kurs abzukommen". Die Versuche, die Bevölkerung durch Verbrauchsabgaben und Energiesteuern von Umweltverschmutzungen abzuhalten, könnten nach Ansicht des Ausschusses scheitern. Nach Aussagen des Regierungsmitglieds Gordon Brown soll die Flächenverbrauchsbesteuerung von 2005/2006 an um jährlich 3 Pfund pro Tonne steigen. Demnach wäre aber erst nach neun Jahren der Steuersatz (35 Pfund/Tonne) erreicht, der hoch genug wäre, das Bevölkerungsverhalten zu beeinflussen, erklärte der Klimaausschuss und verlangte einer stärkere Anhebung, als derzeit vorgesehen.


Nichtstaatliche Organisationen zur Unterstützung der ÖFR

- Friends of the Earth England, Wales and Northern Ireland (FOE)

FOE hat eine große Kampagne zur Klimaänderung ins Leben gerufen und sich über die letzten 6 Jahre stetig für eine ÖFR eingesetzt. Aktuell setzt sich der Verein erfolgreich für eine Beibehaltung der Ökosteuern ein, wobei sich das Hauptaugenmerk auf die Höhe der Kraftstoffabgaben und Klimaabgaben richtet.

 

(1) FÖS- Dokumentation „Ökosteuern in Deutschland und Großbritannien - aus Sicht der Wirtschaft" vom Juni 2004, www.foes.de/dbkonferenz

(2) Britische Botschaft Berlin März 2005