Stein- und Braunkohle

Stein- und Braunkohleenergie

Eine grundlegende Vorraussetzung für das Ereichen der Klimaziele ist der Wandel zu einer Stromerzeugung, die Treibhausgasemissionen weitestgehend vermeidet. Die Nutzung von Kohle - insbesondere Braunkohle - zur Verstromung ist die klimaschädlichste Art der Stromerzeugung, denn kein anderer Energieträger verursacht so hohe CO2-Emissionen.
Das FÖS spricht in der Diskussion um Kohleenergie zwei unterschiedliche Aspekte an:

1. Staatliche Förderung der Stein- und Braunkohle: Trotz ihrer Klimaschädlichkeit und der hohen externen Kosten werden der Abbau und die Nutzung von Stein- und Braunkohle in Deutschland immer noch massiv subventioniert und verursachen Wettbewerbsverzerrungen auf dem Energiemarkt.
2. Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken: Obwohl die neuesten Entwicklungen der Energiewirtschaft darauf hindeuten, dass die Kohleenergie aus mehreren Gründen vor dem wirtschaftlichen Aus steht, ist weiterhin der Neubau von mehreren Kohlekraftwerken in Planung.

Fakten zur Steinkohle
Durch den Einsatz von Steinkohle zur Energieerzeugung wurden in Deutschland im Jahr 2008 insgesamt 128,7 Mio. t CO2-Emissionen verursacht, das entspricht 13,2% der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Eine Kilowattstunde Steinkohlestrom verursacht durchschnittlich 938 g CO2-Emissionen, DLR/ISI beziffern die externen Kosten von Steinkohlestrom auf 6,4 Ct/kWh.
Die Fördermenge von Steinkohle ist in Deutschland von 149 Mio. t im Jahr 1958 auf 17 Mio. t im Jahr 2008 zurückgegangen. Im Jahr 1952 waren noch 183 Steinkohlebergwerke in Betrieb, seitdem ist die Zahl der deutschen Bergwerke kontinuierlich bis auf 6 (Juli 2010) gesunken. Bis zum Jahr 2018 soll der subventionierte Steinkohleabbau in Deutschland komplett eingestellt werden.

Fakten zur Braunkohle
Braunkohle ist der fossile Energieträger mit der höchsten Klima- und Umweltbelastung: Der Tagebau zerstört den natürlichen Grundwasserhaushalt und führt durch den hohen Flächenbedarf zu großräumiger Zerstörung der Landschaft. Bei der Nutzung als Energieträger entstehen hohe Emissionen von Treibhausgasen und Luftschadstoffen. Durch den Einsatz von Braunkohle zur Energieerzeugung wurden in Deutschland im Jahr 2008 insgesamt 174 Mio. t CO2-Emissionen verursacht, das entspricht 18,1% der gesamten Treibhausgasemissionen. Nach DLR/ISI wäre Braunkohlestrom 8 Ct/kWh teurer, wenn man die externen Kosten anrechnen würde.
Braunkohle wird im Tagebau - an der Erdoberfläche - abgebaut und ist daher (temporär) mit einem großen Flächenverbrauch verbunden (bisher über 1.600 km²). In Deutschland gibt es drei bedeutende Braunkohlereviere: Das Rheinische Revier in Nordrhein-Westfalen, das Lausitzer Revier (Brandenburg und Sachsen) und das mitteldeutsche Revier (Sachsen und Sachsen-Anhalt). Bisher mussten insgesamt 308 Ortschaften für den Abbau von Braunkohle ganz oder teilweise umgesiedelt werden. Davon waren ca. 107.100 Menschen betroffen.

Staatliche Förderung der Stein- und Braunkohle im Zeitraum 1950-2008 (FÖS-Studie)
Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft setzt einen erweiterten Subventionsbegriff an, der nicht nur die direkten Finanzhilfen berücksichtigt, sondern den gesamten Umfang staatlicher Vergünstigungen für den Kohlesektor abbilden soll.

Für die Steinkohle wurden von 1950-2008 Förderungen in Höhe von insgesamt 295,2 Mrd. € festgestellt. Diese Summe beinhaltet direkte Finanzhilfen (z. B. Absatzbeihilfen), Steuervergünstigungen (vor allem bei der Energiesteuer sowie die Befreiung von der Förder- und der Wasserentnahmeabgabe) sowie die seit 2005 auftretenden Vorteile durch die unentgeltliche Zuteilung von Emissionszertifikaten.
Im Jahr 2008 betrugen die direkten Finanzhilfen 2,64 Mrd. Euro. Die Finanzhilfen sind notwendig, damit die in Deutschland geförderte Steinkohle überhaupt konkurrenzfähig ist. Ihr Preis wird dadurch künstlich auf den Marktpreis heruntergedrückt. Allein im Rahmen dieser Förderung wurde jeder der 30.384 Arbeitsplätze im Steinkohlebergbau indirekt mit 86.000 € subventioniert.

Die Braunkohle wird u. a. von der Bundesregierung und der Braunkohlewirtschaft als subventionsfreier Energieträger bezeichnet. Allerdings trifft dies nur für einen sehr eng gefassten Subventionsbegriff zu. Betrachtet man neben direkten Finanzhilfen auch Steuervergünstigungen und weitere begünstigende Regelungen wie den Förderwert des Emissionshandels, so kommen erhebliche Beträge zusammen. Für den gesamten Zeitraum von 1950-2008 wurden staatliche Förderungen für die Braunkohle von insgesamt 56,9 Mrd. € gewährt. Für 2008 allein sind Steuervergünstigungen in Höhe von 1,82 Mrd. € zu verzeichnen.

Mehr zur Förderung der Stein- und Braunkohle durch staatliche Subventionen können Sie in der FÖS-Studie „Staatliche Förderungen der Stein- und Braunkohle im Zeitraum 1950-2008" nachlesen.

Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken
Die wirtschaftlichen Bedingungen für Kohlestrom werden sich in den nächsten Jahren drastisch verschlechtern, so dass neue Kohlekraftwerke nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind. Zum einen lässt sich ein deutlicher, unprognostizierbarer Anstieg der Brennstoffkosten erwarten und zum anderen wird ab 2013 der Kauf von Emissionszertifikaten verbindlich. Geht man davon aus, dass der Preis pro Tonne CO2 nach einer Verschärfung der Klimaziele auf 30 Euro ansteigt, bräuchten Kohlekraftwerke eine Auslastung von 7.000 Jahresbetriebsstunden, um einen Kostenvorteil gegenüber Erdgaskraftwerken zu erreichen. Dem steht jedoch der Ausbau erneuerbarer Energien entgegen. Da regenerative Energien in der Einspeisung von Strom ein Vorrecht vor anderen Energieträgern haben, werden neue Kohlekraftwerke die zur Finanzierung notwendigen Jahresbetriebsstunden häufig nicht vollständig ableisten können.
Zwar soll die neue CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) den CO2-Ausstoß von Kraftwerken signifikant verringern, allerdings bestehen große Unsicherheiten über die Kostenentwicklung, ökologische Auswirkungen sowie über die vorhandene Speicherkapazität für CCS. Letztere können den Ausbau spezieller erneuerbarer Energien einschränken. Denn für CCS genutzte Speicherkapazitäten gehen für Geothermieprojekte, Druckluft- und Gasspeicher oder für Wärme- und Kältespeicherung verloren. Es ist ebenfalls zu erwarten, dass die Investitions- und Stromgestehungskosten von Kohlekraftwerken mit CCS bis zu doppelt so hoch sein werden wie bei einem modernen Kohlekraftwerk ohne CCS.

In einer vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft veröffentlichten Erklärung führen Wirtschaftswissenschaftler/innen diese Argumente weiter aus und warnen vor dem Investitionsrisiko Kohlekraft.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie außerdem auf der dazugehörigen Website www.wiwis-kohle.de.