Dienst- und Firmenwagen

Steuerliche Absetzbarkeit von Dienst- und Firmenwagen

Dienstwagen werden gegenüber privaten Fahrzeugen steuerlich stark bevorzugt. Diese Steuervergünstigungen betragen jährlich 4,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen Ausfälle der Sozialversicherungen. Profiteure der Subvention sind Dienstwagennutzer_innen, Arbeitgeber und die Automobilindustrie - auf Kosten der Allgemeinheit und der Umwelt.

Ausgangslage
Pkw stoßen in Deutschland jedes Jahr ca. 113 Millionen Tonnen CO2 aus - das sind gut 14 Prozent der Gesamtemissionen.

Im Jahr 2010 wurden 2,9 Millionen neue Pkw zugelassen. Der Großteil davon, 57 Prozent, wurde gewerblich zugelassen, während 43 Prozent von Privatpersonen zugelassen wurden. Jedes vierte gewerblich zugelassene Fahrzeug ist ein Firmenwagen.
Der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Firmenwagen liegt deutlich über dem von Privatfahrzeugen. Besonders beliebt sind teure und umweltschädliche Modelle: Mehr als zwei Drittel der Neufahrzeuge mit über 200 PS werden an Unternehmen und Selbständige ausgeliefert. Auch neue Fahrzeuge der gehobenen Mittel- und Oberklasse werden zu über 80 Prozent gewerblich zugelassen.
Unternehmen kaufen Neuwagen mit großen Herstellerrabatten und verkaufen diese nach kurzer Zeit zum Anschaffungspreis weiter. Dadurch halten sie ihre Ausgaben gering.
Somit haben Firmenwagen aber auch entscheidenden Einfluss auf den gesamten Fahrzeugbestand in Deutschland: Auf dem Gebrauchtwagenmarkt herrscht ein Überangebot an großen, klimaschädlichen Spritfressern.
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 Prozent und bis 2050 mindestens um 80 Prozent abzusenken. Das Dienstwagenprivileg wirkt diesem Ziel offenkundig entgegen.

Steuerliche Fehlanreize
Die aktuellen steuerlichen Regelungen der betrieblichen und privaten Nutzung von Firmenwagen sind weder ökologisch noch sozial. Sowohl aus der Sicht von Arbeitgeber als auch von Arbeitnehmer_in ist die Bereitstellung bzw. Nutzung mit Vorteilen verbunden - zu Lasten der Umwelt und auf Kosten der Steuerzahler_innen.

Derzeit gelten in Deutschland folgende Regelungen...
...für Unternehmen:

Steuerlich ist ein Dienstwagen, auch wenn er der/dem Beschäftigten zur Privatnutzung überlassen wird, ein Betriebsmittel. Damit kann der Anschaffungspreis, der für große Unternehmen oft nur 70 Prozent des Listenpreises beträgt, über max. 6 Jahre steuerlich abgesetzt werden. Sämtliche Betriebskosten wie Kraftstoff, Reparaturen und Verschleiß können ebenfalls abgesetzt werden, auch, wenn sie durch Privatnutzung entstehen. Tankt beispielsweise ein_e Dienstwagenfahrer_in mit der Tankkarte des Arbeitgebers, übernimmt dieser oft die Benzinkosten, die als Betriebsmittel umsatzsteuerfrei sind.
Würde statt dem Dienstwagen das Gehalt in dem Umfang erhöht werden, dass der/die Arbeitnehmer_in sich ein gleichwertiges Privatfahrzeug kaufen und betreiben könnte, würde es das Unternehmen viel teurer kommen.

...für Dienstwagennutzer_innen:
Für den/die Arbeitnehmer_in kostet ein Dienstwagen sehr viel weniger als ein privates Fahrzeug. Zwar muss der Wert des bereitgestellten Fahrzeugs als geldwerter Vorteil versteuert werden, dieser ist allerdings geringer als der tatsächliche Nutzwert. Die Dienstwagennutzer haben die Wahl zwischen einer pauschalen Ermittlung des geldwerten Vorteils (Listenpreismethode) oder der Einzelabrechnung (Fahrtenbuchmethode). Bei hohem Privatanteil ist meist ersteres vorteilhaft. Bei der Listenpreismethode errechnet sich der geldwerten Vorteils pro Monat pauschal als ein Prozent des inländischen Neuwagenlistenpreises - egal ob Neu- oder Gebrauchtwagen angeschafft wurden. Dies setzt den Anreiz, statt eines Gebrauchtwagens auch tatsächlich immer einen Neuwagen zu kaufen. Der Listenpreis wird dann mit dem persönlichen Grenzsteuersatz des Nutzers besteuert, unabhängig vom Umfang der privat gefahrenen Kilometer. Wird, wie in vielen Betrieben üblich, Dienstwagenfahrer_innen gestattet auf Betriebskosten zu tanken, ist über die Ein-Prozent-Regelung alles abgedeckt: Autofahren zum Flatratepreis. Ziehen Beschäftigte ein Dienstfahrrad vor, muss dieses komplett versteuert werden, außer es gilt selbst als Kraftfahrzeug (z.B. als S-Pedelec).

Von dieser Regelung profitieren somit diejenigen am meisten, die ihren Dienstwagen möglichst viel privat nutzen. Die sonstigen Kosten sind für den Dienstwagennutzer zweitrangig, da hierfür ja das Unternehmen aufkommt. Anreize für wenig gefahrene Kilometer, verbrauchsarme Pkw oder gar einen Gebrauchtwagen hat er somit nicht - im Gegenteil ermöglicht der Arbeitgeber ihm sogar einen Wagen, den er sich privat vermutlich nicht hätte leisten können oder wollen. Wie günstig ein Dienstwagen und seine Nutzung für den/die Arbeitnehmer_in ist zeigen die folgenden Beispiele:

Reformvorschlag
Für Arbeitgeber soll eine volle Absetzbarkeit der Anschaffungs- und Betriebskosten nur dann möglich sein, wenn der CO2-Ausstoß des Dienstwagens unterhalb gewisser Zielwerte liegen. Dienstwagen mit Emissionen unterhalb bestimmter CO2- Grenzwerte können nur entsprechend geringere Anteile steuerlich absetzen. Wird der Zielwert um 50 Prozent überschritten, können nur noch 50 Prozent der Kosten abgesetzt werden.

Der zu versteuernde geldwerte Vorteil soll sich sowohl am CO2-Ausstoß des Fahrzeuges als auch an den tatsächlich (privat) gefahrenen Kilometern orientieren. Dabei muss gelten, wer mehr und mit einem umweltschädlichen Auto fährt, muss mehr zahlen als derjenige, der wenig und mit einem umweltfreundlichen Fahrzeug fährt.
Elektroautos sind entsprechend ihrer Emissionen auf der Grundlage des öffentlichen Strommixes zu besteuern, sofern nicht die Verwendung regenerativen Stroms nachgewiesen werden kann.

Auswirkungen
Eine solche Reform würde den Staatshaushalt und damit alle Steuerzahler_innen um bis zu 4,6 Milliarden Euro entlasten. Auch den millionenschweren Mindereinnahmen der Sozialkassen würde damit begegnet werden. Darüber hinaus wäre eine solche Reform ökologisch sinnvoll: Es würden ca. 3,2 - 6,4 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Blick ins Ausland
Eine ökologische und soziale Ausgestaltung der Dienstwagenbesteuerung ist nicht beispiellos. Auch in anderen Ländern wurde das Problem erkannt: In Belgien, Frankreich, Großbritannien und Irland richtet sich die Absetzbarkeit eines Dienstwagens bereits heute nach seinem CO2-Ausstoß. In Großbritannien und den Niederlanden wird auch der geldwerte Vorteil nach den CO2-Emissionen bemessen.

 

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