Berlin, 15.03.2013

FÖS-Konferenz: Postwachstumsgesellschaft konkret

Landesvertretung Baden-Württemberg, Tiergartenstraße 15, Berlin, 15. März 2013

Hintergrund

Programm

Fotos

Förderhinweis


Hintergrund

Die Frage ob sich dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit den ökologischen Grenzen unserer Erde verträgt, ist wieder stärker in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte gerückt. Optimisten halten grünes Wachstum für möglich, Skeptiker warnen, dass sich Wachstum nicht vom Ressourcenverbrauch entkoppeln lassen wird. Ob Wirtschaftswachstum überhaupt noch zu Wohlstand beiträgt, wird gleich aus mehreren Richtungen in Frage gestellt.

Auf der politischen Ebene ist von diesen Zweifeln in der Praxis noch nicht viel zu spüren: In Deutschland beschloss die schwarz-gelbe Bundesregierung ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Während SPD und Grüne dies in der Innenpolitik kritisierten, setzen sie sich auf EU-Ebene für aktive Wachstumspolitik zur Lösung der Eurokrise ein. Auf der Seite der Wachstumskritiker mangelt es dagegen bisher meist an realpolitischen Ansätzen: Die einen fordern eine Postwachstumsgesellschaft „von unten“, in der BürgerInnen durch Verzicht und Selbstversorgung die Wirtschaft schrumpfen lassen. Für andere muss zunächst der Kapitalismus als „Grundübel“ beseitigt werden, bevor eine Wirtschaft ohne Umweltzerstörung denkbar ist.

Was in der Debatte meist zu kurz kommt, sind konstruktive Auseinandersetzungen über konkrete politische Handlungsansätze für eine von Wachstumszwängen befreite Gesellschaft. Solange die Frage, ob sich weiteres Wachstum von steigendem Ressourcenverbrauch entkoppeln und mit den ökologischen Tragfähigkeitsgrenzen unserer Erde in Einklang bringen lässt, nicht mit Sicherheit beantwortet werden kann, gebietet aber alleine das Vorsorgeprinzip, sich Gedanken über eine Wirtschaft zu machen, die nicht mehr wachsen muss, um Wohlstand für alle zu erzeugen. Dazu müssen die „Wachstumszwänge“ unseres Wirtschaftssystems überwunden werden.

Staatsverschuldung, demographischer Wandel und steigende Arbeitsproduktivität sind drei solcher Wachstumszwänge, die auf dieser Konferenz im Mittelpunkt stehen sollen. Gemeinsam ist allen Phänomenen, dass sie eine Politik, die auf ungebremstes Wachstum setzt, für gewählte Entscheidungsträger sehr attraktiv macht. Ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt erleichtert den Schuldendienst, entschärft den Verteilungskonflikt zwischen Einzahlern und Empfängern sozialer Sicherungssysteme und ermöglicht eine gleich bleibende Beschäftigungsquote auch wenn die Produktivität jeder einzelnen Arbeitsstunde immer weiter zunimmt und die 40-Stunden-Woche die Regel bleibt.

Eine Postwachstumsgesellschaft ist nicht zwangsläufig eine Gesellschaft, in der die Wirtschaft nicht mehr wächst. Sie ist aber eine Gesellschaft, die nicht mehr auf Wachstum angewiesen ist. Wie die politischen Rahmenbedingungen gezielt verändert werden können, um zu solch einer Gesellschaft zu kommen, soll Richtschnur der Debatten auf dieser Konferenz sein.

Das Programm inklusive detailiertem Hintergrundtext steht online zur Verfügung.


Programm

09:30 Uhr Einlass und kleines Frühstück

10:00 Uhr Verleihung des Adam-Smith-Preis für marktwirtschaftliche Umweltpolitik

Begrüßung und Laudationes
•    Kai Schlegelmilch (FÖS)
•    Rüdiger Kruse, MdB (CDU)

Preisrede
•    Hans Eichel (Bundesfinanzminister a.D.)

11:00 Uhr Keynotes

„Grünes Wachstum als Lösung für Wirtschafts- und Klimakrise"
•    Ralf Fücks (Heinrich-Böll-Stiftung)

„De-Growth als nötiger Paradigmenwechsel in Krisenzeiten"
•    Michael Müller (NaturFreunde Deutschland)

"Entkoppelung ist unumgänglich, weniger Wachstumsdruck überaus wertvolle Unterstützung"
•    Dr. Anselm Görres (FÖS) (Präsentation) (Paper)

Moderation: Damian Ludewig (FÖS)


12:30 Uhr Mittagessen

13:30 Uhr Workshop-Phase: Wie lässt sich unser Wirtschaftssystem
von Wachstumszwängen befreien?


Workshop A „Arbeit & Wachstum“
Müssen wir wachsen, um Vollbeschäftigung zu sichern? +++ Wie haben sich Arbeits- und Ressourcenproduktivität in der Vergangenheit entwickelt? +++ Inwieweit sind Arbeits- und Ressourceneinsatz austauschbar? +++ Welche Reformansätze gibt es für Arbeitszeitverkürzung? +++ Welche Perspektiven hat eine Steuerpolitik, die zu mehr Ressourcen- statt zu mehr Arbeitsproduktivität führt?

•    Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup (Westfälische Hochschule)
•    Dr. Friedrich Hinterberger (SERI) (Präsentation)
•    Tilman Santarius (Germanwatch)
Moderation: Dr. Anselm Görres (FÖS)

Workshop B „Bevölkerungsentwicklung & Wachstum“
Müssen wir in Zukunft wachsen, um die Renten finanzieren zu können? +++ Braucht eine Postwachstumsökonomie eine Verkürzung oder Verlängerung der (Lebens-)Arbeitszeit? +++ Sind kapitalmarktfinanzierte Renten Hindernis oder Voraussetzung für eine vom Wachstumszwang befreite Ökonomie? +++ Welchen Beitrag können Umweltsteuern zur Nachhaltigkeit des Rentensystems leisten?

•    Dr. Reinhard Loske (Senator a.D.)
•    PD Dr. Norbert Reuter (ver.di) (Präsentation)
•    Stefanie Wahl (Denkwerk Zukunft)
Moderation: Kai Schlegelmilch (FÖS)

Workshop C „Staatsverschuldung & Wachstum“
Zwingen uns die hohen Staatsschulden auch in Zukunft zu Wachstum? +++ Können wir ohne zusätzliche Staatschulden überhaupt noch weiter wachsen? +++ Sollen wir die Einnahmen erhöhen oder Ausgaben kürzen, um Schulden abzubauen? +++ Welchen Beitrag können Umweltsteuern zur Haushaltskonsolidierung leisten?

•    Prof. Hans Diefenbacher (FEST)
•    Alexander Funk, MdB (CDU)
•    Prof. Achim Truger (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin) (Präsentation)
Moderation: Florian Prange (FÖS)


15:00 Uhr Kaffeepause

15:30 Uhr Berichte aus den Workshops

16:00 Uhr Abschlusspodium: Wachstumsenquete und nun? Was folgt für die Politik?

•    Prof. Dr. Felix Ekardt (Universität Rostock)
•    Dr. Thomas Gambke, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)
•    Daniela Kolbe, MdB (SPD)
•    Dr. Matthias Zimmer, MdB (CDU)
Moderation: Damian Ludewig (FÖS)

17:30 Uhr Zusammenfassung und Ausblick

18:00 Uhr Ende der Veranstaltung

 

Fotos

 

Verleihung des Adam-Smith-Preises

Begrüßungsrede des stellvertretenden FÖS-Vorsitzenden Kai Schlegelmilch

Laudatio von Rüdiger Kruse, MdB (CDU)

Verleihung des Adam-Smith-Preis für marktwirtschaftliche Umweltpolitik 2013 an Hans Eichel. V. l. n. r.: Dr. Barbara Hendricks, MdB (SPD, Preisträgerin 2008), Rüdiger Kruse, MdB (CDU), Bundesminister a.D. Hans Eichel, Dr. Anselm Görres (FÖS), Kai Schlegelmilch (FÖS)

Preisrede des Bundesministers a.D. Hans Eichel

 

FÖS-Jahreskonferenz "Postwachstumsgesellschaft konkret"

Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Michael Müller, NaturFreunde Deutschland

Dr. Anselm Görres (FÖS)

Fragen an die Referenten aus dem Publikum

Workshop A "Arbeit & Wachstum", v. l. n. r.: Dr. Anselm Görres (FÖS), Tilman Santarius (Germanwatch), Eike Meyer (FÖS), Dr. Friedrich Hinterberger (SERI)

Workshop B "Bevölkerungsentwicklung & Wachstum", v. l. n. r.: Dr. Reinhard Loske (Senator a.D.), Kai Schlegelmilch (FÖS), PD Dr. Norbert Reuter (ver.di), Stefanie Wahl (Denkwerk Zukunft)


Workshop C "Staatsverschuldung & Wachstum", v. l. n. r.: Prof. Achim Truger (HWR Berlin), Florian Prange (FÖS), Alexander Funk, MdB (CDU), Prof. Hans Diefenbacher (FEST Heidelberg)

Berichte aus den Workshops: Eike Meyer, Damian Ludewig, Florian Prange, Kai Schlegelmilch (FÖS)


Abschlusspodium "Wachstumsenquete und nun?", v. l. n. r.: Dr. Matthias Zimmer, MdB (CDU), Daniela Kolbe, MdB (SPD), Damian Ludewig (FÖS), Prof. Dr. Felix Ekardt (Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik), Dr. Thomas Gambke, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)

Dr. Matthias Zimmer, MdB (CDU)

Daniela Kolbe, MdB (SPD)

Prof. Dr. Felix Ekardt (Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik)

Dr. Thomas Gambke, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)


 

 

Förderhinweis

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